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Jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Hessen

In Hessen hat jüdisches Leben eine lange und starke Tradition und prägt in seiner Vielfalt das gesellschaftliche Miteinander. Ein zentrales Anliegen dieses Podcasts ist es, diese Vielfalt für ein breites Publikum aufzubereiten und darüber hinaus auch Bildungsmaterial für den Einsatz in der historisch-politischen Bildung an die Hand zu geben. Neue Zugänge und Inhalte sollen bisherige ergänzen, um zu zeigen, dass jüdisches Leben seit Jahrhunderten bis heute konstitutiver Bestandteil deutscher und speziell hessischer Geschichte und Gegenwart ist. Den inhaltlich-thematischen Einstieg einer jeden Folge bildet ein Einspieler mit hörspielartiger Charakteristik, auf dessen Grundlage die unterschiedlichen geladenen Studiogäste unter Moderation von Isabel Gathof interessante Aspekte jüdischen Lebens, Geschichte & Kultur Hessens mit Aktualitätsbezug diskutieren.

Folge 1: „Kampf um Gleichberechtigung – der jüdische Abgeordnete Gabriel Riesser in der Paulskirche“

Konzept: Isabel Gathof, Felix Münch, René Mallm & Claudia Stul
Moderatorin: Isabel Gathof
Studiogäste: Dr. Kerstin von der Krone, Abraham de Wolf
Radiomoderator des Hörspiels: Florian Wolny
Gabriel Riesser im Hörspiel: Clemens Riesser
Sounddesign & Mischung des Hörspiels: Manuel Karakas
Aufnahme & Bearbeitung: Sascha Amic, Metz Neun Synchron, Offenbach
Musik: Aggressive High Cultures von Frank Herrlinger sowie Monet von Magnus Moone (beides SoundTaxi)
Projektbetreuung HLZ: René Mallm, Felix Münch & Claudia Stul
Produktionstechnische Gesamtleitung: Isabel Gathof

Angebote, Feedback und Links

Alle  Angebote, Veranstaltungen, Publikationen, Onlineformate der hessischen Landeszentrale für politische Bildung sowie Unterrichtsmaterialien zum Podcast finden sie auf unserer Homepage unter www.hlz.hessen.de

Die Landeszentrale für politische Bildung freut sich über Feedback, Anregungen und Kritik zum Podcast. Schreiben sie uns eine E-Mail an juedischesleben@hlz.hessen.de

Die im Podcast besprochenen Karikaturen finden Sie hier:

Literatur

Herzog, Arno (2008): Gabriel Riesser, Hamburg.

Kaufmann, Uri (2003): Ein jüdischer Deutscher. Der Kampf des jungen Gabriel Riesser für die Gleichberechtigung der Juden 1830–1848, in: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 13, H. 1, S. 211–236.

Rieber, Angelika (2006): Deutsch oder Heimatlos. Gabriel Riesser – ein jüdischer Deutscher im Vormärz, in: Praxis Geschichte 3/2006, S. 40–43.

Rieber, Angelika (2023): „An die Deutschen aller Konfessionen.“ Die Verdienste Gabriel Riessers für die Demokratie, in: Extrablatt. 175 Jahre Revolution 1848/49, S. 25.

Schoeps, Julius H. (2020): Gabriel Riesser. Demokrat – Freiheitskämpfer – Vordenker, Leipzig.

Schoeps, Julius H. (2021): Gabriel Riesser (1806-1863). Gleiches Recht für die Juden: Eine Rede macht Geschichte, in: Frank-Walter Steinmeier (Hrsg.), Wegbereiter der deutschen Demokratie. 30 mutige Frauen und Männer 1789–1918, München 2021, S. 225–236.

Disclaimer

Der Inhalt des Podcasts gibt die subjektive Wahrnehmung, Haltung und Meinung der Gäste wieder und entspricht nicht zwingend der Wahrnehmung, Haltung und Meinung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) und ihrer Bediensteten.

(0:00:01) - Einführung in das Thema: Jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Hessen

(0:00:20) - Hörspiel: Rede des jüdischen Abgeordneten Gabriel Riesser

(0:03:57) - Fokus auf jüdische Abgeordnete der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche

(0:04:47) - Vorstellung der Moderatorin Isabel Gathof

(0:05:02) - Diskussion über Moritz Daniel Oppenheim und Gabriel Riesser

(0:10:20) - Diskussion über jüdische Emanzipation und deutsche Demokratiegeschichte;

(0:11:46) - Wer war Moritz Mohl?

(0:13:33) - Analyse der Karikatur „Er wird mir gemütlich schwer“

(0:15:24) - Diskussion über visuelle Kommunikation in der Paulskirche

(0:18:07) - Zugang zur Sammlung der Universitätsbibliothek

(0:19:13) - Wahl von Gabriel Riesser zum Vizepräsidenten und antisemitische Reaktionen

(0:21:48) - Analyse von Karikaturen als Quelle für Antisemitismus

(0:23:47) - Diskussion über die Paulskirche als Ort der deutschen Demokratie

(0:25:14) - Diskussion über Gabriel Riesser und die Gleichheit vor dem Gesetz

(0:27:14) - Diskussion über die Bedeutung von Quellen in der Vermittlungsarbeit

(0:28:30) - Diskussion über jüdische Geschichte und Kultur in Sammlungen

(0:30:03) - Abschluss der Pilotfolge, Credits und Ankündigung des nächsten Themas

Isabel Gathof hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre als Nachwuchsfilmemacherin auf internationaler Ebene eine Kernkompetenz in der filmischen Umsetzung jüdischer Sujets erarbeitet und setzt sich inzwischen multimedial mit der jüdischen Geschichte Hessens auseinander. 

Ihrem Studium an der Hochschule für Fernsehen (HFF München) ging eine Ausbildung zur Werbekauffrau bei Saatchi & Saatchi in Frankfurt voran, die sie als eine der besten Absolventinnen Hessens abschloss.Nach einem Auslandssemester an der Tel Aviv University verlagerte sie ihren Studienschwerpunkt von Filmproduktion auf Dokumentarfilmregie und gründete nach erfolgreichem Studienabschluss mit Diplom ihre Produktionsfirma „FEINSHMEKER FILM“.

Für ihren ersten abendfüllenden Kinodokumentarfilm „Moritz Daniel Oppenheim – Der erste jüdische Maler“ wurde Isabel Gathof u. a. 2018 mit dem Hessischen Newcomer Preis ausgezeichnet.

Auf ein gemeinsam mit der promovierten Oppenheim-Expertin Dr. Esther Graf geschriebenes Buch über den „Maler der Rothschild und Rothschild der Maler“ folgte „Moritz Daniel Oppenheim macht Schule“ – ein in der Bildungsmedienlandschaft bislang einzigartiges Projekt, das einem jungen Publikum das spannende Zeitalter der jüdischen Emanzipation vermittelt und damit die Kenntnisse deutsch-jüdischer Geschichte über das Opfernarrativ hinaus erweitert und in Zusammenarbeit mit dem beliebten TV-Moderator Eric Mayer entstanden ist.

Zuletzt realisierte Isabel Gathof in Co-Produktion mit der naked eye film (München/Berlin) „Fritz Bauers Erbe – Gerechtigkeit verjährt nicht“, ein neues abendfüllendes Kinodokumentarfilmprojekt über die letzten NS-Prozesse in Deutschland, sowie im Rahmen eines medienpädagogischen Dialogprojekts im Auftrag der Stadt Mannheim die Dokumentation „TKUMAnnheim – Jüdisches Leben von 1945 bis heute“.

Eine App „auf Spurensuche nach der jüdischen Emanzipation“ in Isabel Gathofs und zugleich Moritz Daniel Oppenheims Heimatstadt Hanau ist derzeit im Entstehen. Darüber hinaus entwickelte sie gemeinsam mit der Hohen Landesschule Hanau und einem Expertenteam aus Israel ein „Augmented Reality“-Projekt, das eng mit M. D. Oppenheim verbundene, historische Orte auf dem Smartphone virtuell wieder auferstehen lässt.

Links zum Film und Projekt „Moritz Daniel Oppenheim macht Schule“ und zur Arbeit von Isabel Gathof:

www.MDOmachtSchule.de
https://www.instagram.com/mdomachtschule/
www.facebook.com/OppenheimmachtSchule
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/moritz_daniel_oppenheim_macht_schule
https://hessen.edupool.de/?record=hessen-LA202330021&src=online&standort=15
https://eurokey.de/2023/01/20/moritz-daniel-oppenheim-macht-schule/
https://eurokey.de/2023/09/21/moritz-daniel-oppenheim-macht-schule-in-allen-hessischen-schulen/
www.MoritzDanielOppenheim.com
https://www.facebook.com/OppenheimFILM/
https://www.realfictionfilme.de/moritz-daniel-oppenheim.html
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/moritz_daniel_oppenheim
https://www.juedisches-europa.net/startseite/bald-im-kino-moritz-daniel-oppenheim/
https://www.hentrichhentrich.de/buch-moritz-daniel-oppenheim.html
https://wissenschaft.hessen.de/preistraegerinnen-und-preistraeger-des-hessischen-film-und-kinopreises-2018
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/tkumannheim_ juedisches_leben_von_1945_bis_heute

Abraham de Wolf ist seit 25 Jahren Jurist in der Softwareindustrie und Spezialist für die jüdische Wirtschafts- und Sozialethik und für die Religionsfreiheit. Er hält dazu Vorträge und veröffentlicht darüber. Zurzeit beschäftigt er sich intensiv mit der Frankfurter Paulskirche als Ort der Demokratie, ihrer Geschichte und ihrer Bedeutung für heute.

Zur Person Abraham de Wolf: https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/paulskirche-juden-nicht-vergessen/

Dr. Kerstin von der Krone betreut seit Ende 2019 die Hebraica- und Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, der mit ca. 350.000 Objekten größten Sammlung ihrer Art in Deutschland. Sie geht auf die Stadtbibliothek Frankfurt zurück und ist eng mit der Frankfurter jüdischen Geschichte verbunden.

Kerstin von der Krone ist Historikerin und Judaistin. Nach dem Studium in Berlin und Tel Aviv wurde sie an der Universität Erfurt promoviert und hat in Braunschweig, Washington, D.C. und Frankfurt am Main geforscht. Ihre wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkt umfassen die moderne jüdische Geschichte, die Geschichte jüdischer Wissenschaft und Bildung sowie jüdische Buch- und Sammlungsgeschichte. An der Universitätsbibliothek leitet und entwickelt sie fachlich einschlägige Projekte, darunter den Fachinformationsdienst Jüdische Studien.

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main ist eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands und verfügt über außerordentliche historische Bestände.

https://www.ub.uni-frankfurt.de/sammlungen/uebersicht.html

Seit mehr als 25 Jahren digitalisiert die Universitätsbibliothek Frankfurt historische Werke, ihre Digitalen Sammlungen umfassen heute mehr als 9 Mio. Seiten.

https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de

Die Sammlung Frankfurt und Alte Drucke verwahrt Objekte zu 1848, einschließlich der in der Podcastfolge erwähnten Sammlungen.

Flugschriftensammlung 1848: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/1848

Sammlung Riesser: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/riesser

Informationen, Quellen und Projekte zur Jüdischen Geschichte und Kultur an der Universitätsbibliothek Frankfurt

Hebraica und Judaica Sammlung: https://www.ub.uni-frankfurt.de/judaica/home.html

Digitale Judaica Sammlungen: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/judaica

Fachinformationsdienst Jüdische Studien (vorrangig an Forschende gerichtet): https://www.jewishstudies.de 

„17 Motive jüdischen Lebens“ – Ein Projekt der Universitätsbibliothek Frankfurt mit Studierenden der Goethe-Universität anlässlich des Festjahres 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: https://17motive.uni-frankfurt.de

Unterrichtsmaterial (PDF) zur Podcast-Reihe „Jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Hessen“

Folge 1: „Kampf um Gleichberechtigung – der jüdische Abgeordnete Gabriel Riesser in der Paulskirche“

Es war die Geburtsstunde der deutschen Demokratie. Am 18. Mai 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche erstmals die Deutsche Nationalversammlung zusammen – das erste gesamtdeutsche Parlament. Im Jahr 2023 wurde das 175. Jubiläum dieses Ereignisses in Frankfurt am Main mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit begangen und der Bau eines „Hauses der Demokratie“ im Umfeld der Paulskirche in Aussicht gestellt. Dieses soll an die demokratische Geschichte Deutschlands und Hessens erinnern. Weniger bekannt hingegen ist die Person Gabriel Riessers. Der jüdische Anwalt aus Hamburg setzte sich als Mitglied und späterer Vizepräsident des Paulskirchenparlaments für die rechtliche Gleichstellung der Jüdinnen und Juden ein. Er beeinflusste die Debatten in der Frankfurter Nationalversammlung um die Grundfreiheiten maßgeblich und zeichnet dafür verantwortlich, dass die Religionsfreiheit als Grundfreiheit Eingang in die Paulskirchenverfassung von 1849 fand. Ein guter Grund, dem Engagement Riessers für Demokratie und jüdische Gleichberechtigung die erste Folge unseres Podcast zu jüdischem Leben, Geschichte und Kultur in Hessen zu widmen, um seine Person und die jüdische Emanzipation ins Bewusstsein zu rücken. 
Wer war Gabriel Riesser? Welche Rolle spielte er im Paulskirchenparlament und für die jüdische Emanzipation? Wie sahen ihn seine Zeitgenossen im Spiegel von Karikaturen? Was sagen uns der Lebensweg und die Gedanken Riessers heute angesichts des wachsenden Antisemitismus? Und warum und wie sollten wir an ihn erinnern? Diese und weitere Fragen stellt Gastgeberin Isabel Gathof, Filmemacherin und Medienproduzentin aus Hanau, ihren Gästen Abraham de Wolf und Kerstin von der Krone, die sich intensiv mit dem Leben und Wirken Gabriel Riessers auseinandergesetzt haben. Ein wichtiger Beitrag zum pluralen Erzählen jüdischer Geschichte und Gegenwart und der deutschen Demokratiegeschichte.

Folge 2: „60 Jahre Frankfurter Auschwitz-Prozess“

Konzept: Isabel Gathof, Felix Münch, René Mallm & Claudia Stul
Moderatorin: Isabel Gathof
Studiogäste: Dr. Katharina Rauschenberger, Gerhard Wiese
Audioausschnitt Intro: Ausschnitte Hessenschau vom 20. Dezember 1963
Sounddesign & Mischung des Hörspiels: Manuel Karakas
Aufnahme & Bearbeitung: Sascha Amic, Metz Neun Synchron, Offenbach
Musik: Aggressive High Cultures von Frank Herrlinger sowie Monet von Magnus Moone (beides SoundTaxi)
Projektbetreuung HLZ: René Mallm, Felix Münch & Claudia Stul
Produktionstechnische Gesamtleitung: Isabel Gathof

Angebote, Feedback und Links

Alle  Angebote, Veranstaltungen, Publikationen, Onlineformate der hessischen Landeszentrale für politische Bildung sowie Unterrichtsmaterialien zum Podcast finden sie auf unserer Homepage unter www.hlz.hessen.de

Die Landeszentrale für politische Bildung freut sich über Feedback, Anregungen und Kritik zum Podcast. Schreiben sie uns eine E-Mail an juedischesleben@hlz.hessen.de

Die im Podcast besprochenen Audiomitschnitte finden Sie hier:

Weitere Infos zu den im Podcast angesprochenen Filmen, in denen Gerhard Wiese einen Auftritt hatte finden Sie hier:

Link zum Film „Im Labyrinth des Schweigens“ unter: https://www.fritz-bauer-institut.de/mitteilung/kinotipp-br-im-labyrinth-des-schweigens

Link zu Isabel Gathofs preisgekröntem Dokumentarfilm „Fritz Bauers Erben. Gerechtigkeit verjährt nicht.“ unter: https://www.realfictionfilme.de/fritz-bauers-erbe-gerechtigkeit-verjaehrt-nicht.html

Literatur

Balzer, Friedrich/Renz, Werner (Hrsg.) (2004): Das Urteil im Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963-1965, Bonn.

Brink, Cornelia (2004): Das Auschwitz-Album vor Gericht, in: Fritz Bauer Institut (Hrsg.): Ausstellungskatalog Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/63, Frankfurt am Main/Köln.

Horn, Sabine (2008): Am 20. Dezember 1963 blickt die Welt nach Frankfurt, in: Geschichte Lernen 124/2008, S. 55.

Kingreen, Monica (2004): Der Auschwitz-Prozess 1963-1965, Geschichte, Bedeutung und Wirkung, Pädagogische Materialien des Fritz Bauer Instituts Band 8, Frankfurt am Main.

Knellissen, Daggi/Kößler, Gottfried (2013): Dimensionen von Zeugnissen und Zeugenschaft. Überlebende des Holocaust als Zeugen vor Gericht, in: Geschichte Lernen 152/ 2013, S. 40-50.

Knigge-Tesche, Renate (2013): „…weit mehr als ein Gerichtsverfahren…“ der Auschwitz-Prozess 1963 bis 1965 in Frankfurt am Main, Blickpunkt Hessen, 16/2013, Wiesbaden.

Rauschenberger, Katharina (Hrsg.) (2013): Rückkehr in Feindesland? Fritz Bauer in der deutsch-jüdischen Nachkriegsgeschichte. Jahrbuch zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main/New York.

Steinbacher, Sybille/Rauschenberger, Katharina (Hrsg.) (2020): Der Auschwitz-Prozess auf Tonband. Akteure Zwischentöne, Überlieferung, Kleine Reihe zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Bd. 1, Göttingen.

Steinbacher, Sybille/Rauschenberger, Katharina (Hrsg.) (2017): Der Holocaust. Neue Studien zu Tathergängen, Reaktionen und Aufarbeitung, Frankfurt am Main/New York.

Wojak, Irmtrud (2003): Fritz Bauer und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen nach 1945, Blickpunkt Hessen, 2/2003, Wiesbaden.

Disclaimer

Der Inhalt des Podcasts gibt die subjektive Wahrnehmung, Haltung und Meinung der Gäste wieder und entspricht nicht zwingend der Wahrnehmung, Haltung und Meinung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) und ihrer Bediensteten.

(0:00:01) - Jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Hessen

(0:00:19) - Der Frankfurter Auschwitz-Prozess: Ein Meilenstein der deutschen Justizgeschichte

(0:03:12) - 360 Zeugen, 9 Monate Verhandlung: Der Frankfurter Auschwitz-Prozess in Zahlen und umfangreiche Ermittlungen in Polen

(0:04:06) - Gäste im Studio: Dr. Rauschenberger und Gerhard Wiese

(0:05:01) - Das „System Auschwitz“

(0:06:10) - Erster Tag des Prozesses: Ein Zeitzeuge des Frankfurter Auschwitz-Prozesses berichtet

(0:08:06) - Vorbereitung durch Sachverständige

(0:09:26) - Vernehmung der Angeklagten

(0:10:32) - Belastende Reise der Zeugen

(0:11:36) - Fritz Bauer und der Auschwitz-Prozess

(0:14:12) - Zwei Begegnungen mit Fritz Bauer

(0:15:33) - Dr. Fischer – SS-Arzt im Nebenlager Monowitz

(0:19:05) - Mitarbeiter der IG Farben als Zeugen

(0:20:10) - Ende des Prozesses

(0:22:01) - Die geretteten Tonbandmitschnitte: Das auditive Erbe des Frankfurter Auschwitz-Prozesses

(0:25:02) - Gründung des Fritz Bauer Instituts und Erhalt der Bestände

(0:28:08) - Zeuginnen und Zeugen aus verschiedenen Sprachräumen

(0:31:45) - Zeugenaussage von Simon Gotland

(0:39:16) - Die Rolle der Verteidiger

(0:40:14) - Sprachen und Verständnisschwierigkeiten vor Gericht

(0:41:56) - Die erinnerungspolitische Wende?! Bedeutung des Auschwitz-Prozesses für die Konfrontation der Tätergesellschaft

(0:44:25) - Bedeutung des Frankfurter Auschwitz-Prozesses für unsere Demokratie heute

(0:45:17) - Gerhard Wiese als Zeitzeuge: Persönliche Erfahrungen und Vorträge in Schulen

(0:46:12) - Wie Gerhard Wiese Zeitzeuge wurde

(0:47:12) - Schlusswort und Dank an die Gäste

(0:47:46) - Informationen zur Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ)

Isabel Gathof hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre als Nachwuchsfilmemacherin auf internationaler Ebene eine Kernkompetenz in der filmischen Umsetzung jüdischer Sujets erarbeitet und setzt sich inzwischen multimedial mit der jüdischen Geschichte Hessens auseinander. 

Ihrem Studium an der Hochschule für Fernsehen (HFF München) ging eine Ausbildung zur Werbekauffrau bei Saatchi & Saatchi in Frankfurt voran, die sie als eine der besten Absolventinnen Hessens abschloss. Nach einem Auslandssemester an der Tel Aviv University verlagerte sie ihren Studienschwerpunkt von Filmproduktion auf Dokumentarfilmregie und gründete nach erfolgreichem Studienabschluss mit Diplom ihre Produktionsfirma „FEINSHMEKER FILM“.

Für ihren ersten abendfüllenden Kinodokumentarfilm „Moritz Daniel Oppenheim – Der erste jüdische Maler“ wurde Isabel Gathof u. a. 2018 mit dem Hessischen Newcomer Preis ausgezeichnet.

Zusammen mit den Co-Produzentinnen des Spielfilms „Im Labyrinth des Schweigens“, Sabine Lamby & Cornelia Partmann – naked eye film (München/Berlin) realisierte sie den Kinodokumentarfilm „Fritz Bauers Erbe – Gerechtigkeit verjährt nicht“, der sich mit den letzten NS-Prozessen in Deutschland beschäftigt und Erklärungsansätze auf die Frage, warum die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik so lange gedauert hat, liefert. Ein besonderes Augenmerk kommt dabei den Stutthof-Prozessen in Münster (2018/19) sowie Hamburg (2019-2020) und der Rolle der Holocaust-Überlebenden Judy Meisel & Roza Bloch, die vor Gericht als Nebenklägerinnen ihre persönliche Geschichte teilen. Im Rahmen eines medienpädagogischen Dialogprojekts im Auftrag der Stadt Mannheim entstand vor kurzem die Dokumentation „TKUMAnnheim – Jüdisches Leben von 1945 bis heute“, die ein sehr lebendiges und farbenfrohes Bild der Wiederauferstehung der jüdischen Gemeinde Mannheim nach der Shoah zeichnet.

Links zum Film und Projekt „Moritz Daniel Oppenheim macht Schule“ und zur Arbeit von Isabel Gathof:

https://www.realfictionfilme.de/fritz-bauers-erbe-gerechtigkeit-verjaehrt-nicht.html
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/fritz_bauers_erbe_gerechtigkeit_verjaehrt_nicht
https://www.hessenschau.de/kultur/dokumentarfilm-fragt-nach-dem-erbe-fritz-bauers,audio-77610.html
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/fritz-bauers-erbe-stutthof-prozesse-gegen-kz-aufseher-18023411.html
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/fritz-bauers-erbe/
https://wissenschaft.hessen.de/preistraegerinnen-und-preistraeger-des-hessischen-film-und-kinopreises-2018
www.MDOmachtSchule.de
https://www.instagram.com/mdomachtschule/
www.facebook.com/OppenheimmachtSchule
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/moritz_daniel_oppenheim_macht_schule
www.MoritzDanielOppenheim.com
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/moritz_daniel_oppenheim
https://www.hentrichhentrich.de/buch-moritz-daniel-oppenheim.html
https://www.film-hessen.de/fh_tour/tkumannheim-juedisches-leben-von-1945-bis-heute/
https://www.fbw-filmbewertung.com/film/tkumannheim_juedisches_leben_von_1945_bis_heute
https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/lich-ort848773/neue-perspektiven-auf-das-lebendige-judentum-92686001.html

Katharina Rauschenberger ist seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz Bauer Institut, unter anderem verantwortlich für das Veranstaltungsprogramm des Instituts. 2001 promovierte sie an der TU Berlin mit der Arbeit „Jüdische Tradition im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Zur Geschichte des jüdischen Museumswesens in Deutschland“. Sie publizierte zum Leben und Wirken Fritz Bauers und zu dem jüdischen Rechtsanwalt Henry Ormond. Ihr aktuelles Forschungsprojekt über den Ostberliner jüdischen Rechtsanwalt Friedrich Karl Kaul knüpft daran an. Er trat als Anwalt von Nebenklägern in vielen westdeutschen NS-Prozessen auf.

Links zur Arbeit von Frau Dr. Rauschenberger und dem Auschwitz-Prozess

https://www.auschwitz-prozess.de
https://fritz-bauer-der-staatsanwalt.de/
https://www.fritz-bauer-institut.de/bildungsangebote
https://www.fritz-bauer-institut.de/publikation/der-auschwitz-prozess-auf-tonband
https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/58343
https://www.fritz-bauer-institut.de/bremen-zwei-rauschenberger

Gerhard Wiese, geb. am 26.08.1928 in Berlin, ist der einzige noch lebende der drei Staatsanwälte, die im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess die Anklage vertraten.

Im Januar 1944 wurde Wiese mit 15 Jahren in Berlin als Luftwaffenhelfer eingezogen, geriet er am 02. Mai 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde im August 1945 entlassen. Gerhard Wiese legte im Dezember 1949 sein Abitur ab. Nach seinem Jurastudium und zweitem Staatsexamen im Dezember 1959 begann Wiese zunächst seine Laufbahn bei der Staatsanwaltschaft in Fulda. Ab Februar 1961 war er bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt tätig. Im Sommer 1962 wurde Gerhard Wiese als junger Staatsanwalt vom Generalstaatsanwalt Fritz Bauer beauftragt, die Frankfurter Auschwitzprozesse mit vorzubereiten. Gemeinsam mit den beiden Staatsanwälten Joachim Kügler und Georg Friedrich Vogel vertrat Wiese die Anklage. Die Anklageschrift gegen Wilhelm Boger und Oswald Kaduk wurde von ihm verfasst.

Ab 1970 als Abteilungsleiter, dann ab 1971 als Oberstaatsanwalt wirkte Wiese in Frankfurt am Main und wurde 1989 zum stellvertretenden Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main befördert. Im Jahr 1993 trat Gerhard Wiese dort in den Ruhestand.

Seither hält Wiese auf Einladung von Schulen und Universitäten Vorträge zu den Auschwitz-Prozessen. Seine Erinnerungen an die Prozesse sind in das Drehbuch für den Spielfilm „Im Labyrinth des Schweigens“ (2014) eingeflossen.

Gerhard Wieses berufliches Wirken im Justizdienst als auch sein ehrenamtliches Engagement in der Erinnerungskultur wurden mit vielen renommierten Auszeichnungen gewürdigt. So erhielt er 2017 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2018 zusammen mit dem Fritz Bauer Institut den Georg-August-Zinn-Preis der SPD Hessen sowie 2023 den Hessischen Verdienstorden.

Gerhard Wieses Vorlass wird im Archiv des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main aufbewahrt.

Unterrichtsmaterial (PDF) zur Podcast-Reihe „Jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Hessen“

Folge 2: „60 Jahre Frankfurter Auschwitz-Prozess“

„Bewältigung unserer Vergangenheit heißt Gerichtstag halten über uns selbst, Gerichtstag über die gefährlichen Faktoren unserer Geschichte, nicht zuletzt alles, was hier inhuman war, woraus sich zugleich ein Bekenntnis zu wahrhaft menschlichen Werten in Vergangenheit und Gegenwart ergibt."Diese Worte von Fritz Bauer waren das Leitbild des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (20. Dezember 1963 bis zum 20. August 1965), der international mediale Aufmerksamkeit und Resonanz erfuhr. Er war der größte öffentliche NS-Schwurgerichtsprozess der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte und markierte einen Wendepunkt in der Aufarbeitung der NS-Geschichte und des Holocaust in Deutschland. Maßgeblich wurde der Prozess vom hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer angestoßen und geprägt. Zum ersten Mal wurde der barbarische Zivilisationsbruch des Holocaust am Beispiel des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz in seiner Dimension durch die sogenannten Opferzeugen in der deutschen Öffentlichkeit sichtbar und hörbar. Was zeichnete den Frankfurter Auschwitz-Prozess aus? Welche Rolle spielte dabei der Generalbundesanwalt Fritz Bauer und seine Lebensgeschichte? Welche Bedeutung haben die Opferzeugen und der Auschwitz-Prozess in Frankfurt für die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit? Und welche Relevanz hat er für unsere heutige Demokratie und Erinnerungskultur in der Bundesrepublik? Diese und weitere Fragen bespricht Gastgeberin Isabel Gathof, Moderatorin, Filmemacherin und Medienproduzentin aus Hanau, mit ihren Gästen Dr. Katharina Rauschenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fritz Bauer Institutes in Frankfurt am Main und Gerhard Wiese, Zeitzeuge und beteiligter Staatsanwalt im Auschwitz-Prozess.