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10. Todestag von Václav Havel: Das intellektuelle Gesicht der Freiheit Europas

Václav Havel war mehr als nur ein Dramatiker, ein Bürgerrechtler und Dissident, ein politischer Gefangener - und ein tschechischer Präsident. Er war der intellektuelle Kopf für ein freies Europa, für Bürgerrechte statt Ideologie, für Debatte statt einer Politik der Panzer. Dabei entstammte Havel einer einflussreichen Prager Großbürgerfamilie. Sein Vater war Bauunternehmer, seine Mutter war Kunsthistorikerin und Malerin. Ende der achtziger Jahre wurde er, der so wenig hatte vom klassischen Politiker-Typus, ein Protagonist der "Samtenen Revolution". „Der in Prag geborene Havel gilt heute als eine bedeutende Symbolfigur für den friedlichen Kampf gegen den Kommunismus. Ohne eine Persönlichkeit wie den Europäer Václav Havel ist eine lebendige europäische Erinnerungskultur nicht vorstellbar,“ so HLZ-Direktor Dr. Alexander Jehn.

Seinen Landsleuten wird Havel immer als der Mann im Gedächtnis bleiben, der auf dem Balkon steht und vom Balkon eines Hotels herab seine berühmten Worte ins Mikrofon ruft: "Die Wahrheit und die Liebe siegen über Lüge und Hass!" Ein Dichter und Philosoph war es, der den Tschechen die Freiheit gebracht hat und der das ostmitteleuropäische Land in seiner jüngeren Geschichte so stark geprägt hat wie kein anderer.

Nach dem Einmarsch der Sowjetarmee und ihrer Verbündeten in Prag sowie der folgenden Absetzung Dubceks 1968 bekam Havel als Autor Veröffentlichungsverbot im gesamten sowjetisch beherrschten Ostblock. Zudem wurde er von der Staatssicherheit überwacht. Nichtsdestotrotz schuf er wenige Jahre später die oppositionelle Bewegung "Charta 77" mit, die die Herrschaft der kommunistischen Staatspartei von Staatschef Husak durch Veröffentlichungen im Ausland kritisierte. Es folgten Verurteilungen und Haftzeiten. Havels letztmalige Inhaftierung 1989 endete im Mai nach anhaltenden Protesten im In- und Ausland. Erst die Öffnung der Berliner Mauer brachte auch in der Tschechoslowakei den politischen Umbruch.

Die politische Wende in der damaligen Tschechoslowakei war praktisch besiegelt, als Havel als Kandidat des Bürgerforums am 29. Dezember 1989 von den eigentlich noch kommunistischen Vertretern der Föderalversammlung zum Staatspräsidenten gewählt wurde. In dieser Funktion führte er das Land am 5. Juli 1990 zu freien Wahlen. Das neue Prager Parlament bestätigte ihn als parteilosen Präsidenten.

Havel starb vor 10 Jahren im Alter von 75 Jahren am 18. Dezember 2011 auf seinem Landsitz in Nordböhmen.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann folgende Publikation zum Thema bestellt werden: Heinz Gärtner: Der Kalte Krieg