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Von Gießen nach Theresienstadt

Die letzte Deportation Gießener Jüdinnen und Juden im Februar 1945

Audiowalk von Michelle Damm und Randi Becker

Der Audiowalk „Von Gießen nach Theresienstadt“ erinnert an die letzte Deportation von 13 Gießener Jüdinnen und Juden im Februar 1945. An sieben Stationen im Stadtgebiet erzählt er ihre persönlichen Geschichten und zeigt, wie Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung im Nationalsozialismus konkret vor Ort wirkten – von der zerstörten Synagoge über das Gestapo-Gebäude bis zum Stadttheater, in dessen Keller die Betroffenen vor dem Abtransport festgehalten wurden.

Der Audiowalk macht sichtbar, wie sich die antisemitischen Maßnahmen auch in Gießen entwickelten und dass selbst wenige Wochen vor Kriegsende noch die letzten in sogenannten „Mischehen“ lebenden Jüdinnen und Juden verschleppt wurden. Zugleich thematisiert er die unmenschlichen Bedingungen im KZ Theresienstadt, die Befreiung, die schwierige Rückkehr der Überlebenden und den oft zermürbenden Kampf um Anerkennung und Entschädigung nach 1945. So wird Stadtgeschichte auf einer persönlichen und menschlichen Ebene erfahrbar und eröffnet ein Raum für heutiges Gedenken. Der Audiowalk möchte damit an das Schicksal von Selma Biedenkapp, Selma Bohling, Johanna Schmidt, Dora Scheurer, Emilie Feuster, Erna Schott, Henriette Fischer, Daniel Goldschmidt, Cornelia Jäger, Rose Glitsch, Emma Weber, Rosa Hansel und Berta Konrad erinnern.

Für den Audiowalk führten Michelle Damm und Randi Becker umfangreiche Aktenrecherchen durch, die dessen Grundlage bilden. Zusammen mit dem Stadttheater Gießen und in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hessen sowie der DEXT-Fachstelle Gießen konnte der Audiowalk realisiert werden. Der Audiowalk wurde von Carolin Weber, Dascha Ivanova sowie Ben Janssen eingesprochen und von Volker Seidler produziert. Ab sofort kann der Audiowalk zu festen Terminen von Einzelpersonen und nach Terminabsprache auch von Gruppen beim Stadttheater gebucht werden. Der Rundgang vor Ort dauert ca. 90 Minuten und ist in einer eher einfachen Sprache gehalten. Er eignet sich damit ideal für Schulklassen ab der 8. Klasse.
Parallel stehen die Audiodateien allen Interessierten online zur individuellen Nutzung zur Verfügung.

Die Personen hinter dem Projekt

Michelle Damm studiert seit ihrem Staatsexamen für das Haupt- und Realschullehramt im Master Germanistik an der JLU Gießen mit den Schwerpunkten Komparatistik und Holocaust- und Lagerliteratur. Seit 2024 arbeitet sie zudem an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU Gießen. Sie forscht zu Jüdinnen und Juden aus Gießen im Nationalsozialismus und zu Antiziganismus.

Randi Becker studierte Sozialwissenschaften, Soziologie und Politikwissenschaft in Gießen, Frankfurt am Main und Darmstadt. Ihre drei Abschlussarbeiten befassten sich mit Zwangsprostitution in Konzentrationslagern, mit Frauen als Täterinnen und deren Darstellung in Gedenkstätten sowie mit der Reproduktion von Antisemitismus im Konzept der Intersektionalität. Als Doktorandin (Universität Passau) forscht sie zu Antisemitismus in postkolonialer Theorie. Als Pädagogin an einem staatlichen Bildungszentrum macht sie politische Bildung mit Bundesfreiwilligendienstleistenden. Darüber hinaus ist sie Gastdozentin an verschiedenen deutschen Universitäten und forscht mit ihren Studierenden zur lokalen Frauengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus.

Stationen des Audiowalk

Station 1: Das Stadttheater Gießen während der frühen NS-Zeit

Station 2: Systematische Ausgrenzung von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern

Station 3: Überwachung und Verfolgung – Der Gestapokeller

Station 4: Verhaftungen und Deportation

Station 5: Ghetto und KZ Theresienstadt

Station 6: Nach der Befreiung: Rückkehr der Überlebenden

Station 7: Erinnern und Gedenken

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