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Bild links: © jugend debattiert / Stefan Daub, Bild rechts: TuS Makkabi Frankfurt e.V.

Demokratie will gelebt werden

 

Der 1. Dezember 1946 ist ein wichtiger Tag für Hessen. Denn durch eine Volksabstimmung wird die Hessische Verfassung eingeführt. Sie gibt so etwas wie die Spielregeln für das Land vor und legt auch fest, wie Polik funktioniert. Bis heute ist sie – neben dem Grundgesetz für ganz Deutschland – die Basis für die Demokratie in Hessen. In der Verfassung steht: „Die Staatsgewalt liegt unveräußerlich beim Volke.“ Das bedeutet: Der Staat ist für die Menschen da und nicht umgekehrt. Demokratie lebt davon, dass alle mitmachen, auch Kinder und Jugendliche. Deshalb verlangt die Hessische Verfassung, dass sich junge Menschen vielfältig engagieren und auch mitentscheiden können: in der Schule, in
der Kommunalpolitik, in Vereinen, in sozialen Projekten und in der Freizeit. Möglichkeiten dazu gibt es reichlich in Hessen.

Mitbestimmen in der Schule


Die Wahl von Klassensprecher oder Klassensprecherin ist nicht nur eine Pflichtaufgabe, sondern der erste Schritt in Richtung „echte Demokratie“. Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, wer für sie die Stimme erhebt – ob es um Klassenprojekte geht oder wenn es mal Stress mit Lehrkräften gibt. Die Gewählten bilden dann den Schülerrat. Aus dieser Runde wird der Schulsprecher oder die Schulsprecherin gewählt. Nach dem Hessischen Schulgesetz haben die sogar bei wichtigen Schulkonferenzen ein Mitspracherecht. Sie können mitentscheiden, wie der Schulhof umgebaut wird, was in der Cafeteria auf den Teller kommt oder welche Aktionen gegen Diskriminierung, Mobbing oder für den Klimaschutz gestartet werden. Und das ist noch nicht alles: So sprechen sie regelmäßig direkt mit der Schulleitung – führen also quasi „Chefgespräche“. Außerdem vertreten sie ihre Schule im Stadtschülerrat oder sogar im Landesschülerrat, der bei wichtigen, die Schulen betreffenden Angelegenheiten vom Kultusministerium gehört werden muss. Kurz gesagt: Die Klassensprecherwahl ist nicht nur Symbolik – sie öffnet die Tür dazu, dass Schüler und Schülerinnen mitreden und mitbestimmen können bei Entscheidungen, die sie betreffen.

 

Jung und engagiert


Die ehrenamtliche Arbeit in einer Schülervertretung kann in Hessen auch als Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJH) anerkannt werden. Jeweils neun Monate lang engagieren sich Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren in hessischen Landkreisen und der Stadt Kassel in ihrer Freizeit in sozialen, kulturellen, ökologischen und sportlichen Einrichtungen oder Vereinen. Da werden zum Beispiel in Seniorenheimen die Älteren bei Computerfragen unterstützt und Workshops gegen den Enkeltrick angeboten, bei den Tafeln Lebensmittel ausgegeben, Hausaufgaben betreut, mit Kindern von Geflüchteten Deutsch geübt oder die Jugendfeuerwehr mitorganisiert. Nach 80 Stunden freiwilligem Einsatz winkt ein Zerfikat, das bei Bewerbungen gern gesehen wird. Aber viel wichtiger noch sind die persönlichen Erfahrungen, die bei den Einsätzen zum Gemeinwohl gemacht werden können.

„Es macht mir Spaß, anderen Menschen zu helfen und die Herausforderungen, die dabei auftauchen, erfolgreich zu bestehen. Das hat mein Selbstvertrauen enorm gestärkt.“

„Das FSSJH ist für mich auch wichtig, weil ich erfahre, wie mein späterer Beruf aussehen könnte. Und das wirkt gut in meinem Lebenslauf, wenn ich mal ein Auslandssemester machen möchte oder mich für ein Stipendium bewerbe.“

Stimmen von Schülerinnen und Schülern aus dem Main-Kinzig-Kreis
 

Mehr zum Freiwilligen Sozialen Schuljahr in Hessen

FSJ, BFD & FÖJ


Wer daran Spaß gefunden hat, kann sich nach der Schulzeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bewerben, das 1964 eingeführt wurde. Zehn Prozent eines Jahrgangs bis zum 27. Lebensjahr machen das in Hessen. Dafür stehen zusammen mit dem ähnlichen Bundesfreiwilligendienst (BFD) 7.500 Stellen in gemeinwohlorienerten Einrichtungen und Organisaonen (wie zum Beispiel auch im Bereich der polischen Bildung bei der Hessischen Landeszentrale für polische Bildung oder beim Hessischen Landtag) zur Verfügung. In Hessen besteht auch die Möglichkeit, ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) abzuleisten, um „grüne“ Berufe von der Land- und Forstwirtschaft über die Umweltbildung bis zur wissenschalichen Forschung kennenzulernen. Neben dem sozialen Engagement und der Übernahme von Verantwortung dienen die in der Regel zwölf Monate auch der persönlichen und beruflichen Orienerung. Dazu werden 25 Bildungstage angeboten, bei denen die FSJler ihre Erfahrungen austauschen können. Das Zeugnis als Ausweis, sich für die Gesellschaft aktiv einzusetzen, bringt für den weiteren Bildungs- oder Berufsweg praktische Vorteile. So wird der Freiwilligendienst als Wartezeit für einen Ausbildungs- oder Studienplatz angerechnet.

Jugend debattiert


Demokratie lebt vom Gespräch und dem respektvollen Miteinander-Streiten. Auch das lässt sich in der Schule lernen. Seit 2002 fördert die Gemeinnützige Hertie-Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main den fairen Wettstreit mit Argumenten in ihrem Schul-Wettbewerb „Jugend debatiert“, der unterdessen nicht nur in Hessen und der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch von Partnerschulen in über 35 Ländern durchgeführt wird. Der Wettbewerb wird in einer Unterrichtsreihe in der Klasse vorbereitet. Eine vorgegebene Streitfrage bestimmt die Debatte. Der Sieger oder die Siegerin aus der Klasse nimmt an weiteren Ausscheidungsrunden bis hin zum Bundesfinale teil. Auch wer nicht siegt, gewinnt. Denn nicht nur das gut überlegte eigene Argumentieren steht im Mittelpunkt, sondern auch eine andere Sichtweise kennenzulernen und nach Konfliktlösungen zu suchen. Das gibt Sicherheit im Auftreten und stärkt das Selbstbewusstsein. 2025 beteiligten sich 120 Schulen in Hessen an dem Wettbewerb, bei dem es im Landesfinale um Sicherheitskontrollen an Fernbahnhöfen und Flughäfen (für die Klassen 8 bis 10) und um die Reduzierung der Anzahl von öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogrammen ging (Klassen 11 bis 13).

Mehr zu „Jugend debattiert“

Gehört werden – die Jugendparlamente in Hessen


Um Kinder und Jugendliche ab 13 oder 14 Jahren an den Entscheidungsprozessen in der Kommunalpolik zu beteiligen, haben viele Landkreise, Städte und Gemeinden in Hessen Jugendparlamente oder Jugendforen eingerichtet. Die Wahlen finden im Zwei-Jahres-Rhythmus an den Schulen statt. Gewählt werden kann jeder und jede, unabhängig von Religion, Herkunft und Schulform. Mitglieder der Jugendvertretung dürfen bei für sie wichtigen Themen in den Kommunalparlamenten und deren Ausschüsse reden und auch Anträge stellen. Für Fortbildungen und weitere Akvitäten steht oft ein kleines Budget zur Verfügung. In Wiesbaden war das Jugendparlament an dem Konzept zur Mülltrennung an Schulen und an der Planung neuer Fahrradwege beteiligt. Im Vogelsbergkreis hat das Jugendparlament einen Film gedreht, in dem Jugendliche darüber Auskunft geben, was für sie Demokratie bedeutet. Im Kreis Marburg-Biedenkopf setzt sich das Jugendparlament für junge Geflüchtete ein, die von Abschiebung bedroht sind. In Offenbach, wo das Kinder- und Jugendparlament schon Grundschulkindern offensteht, gehen Mitglieder vier Mal im Jahr mit dem Oberbürgermeister in Schulen, um mit ihm über ihre Angelegenheiten zu diskutieren. Das sind nur einige von vielen weiteren Beispielen. Die Arbeit der Jugendparlamente ist so vielfälg, wie die Probleme und Wünsche, die vorgetragen werden, und wie ihre zahlreichen anderen Akvitäten. Kinder und Jugendliche, deren Bedürfnisse in Städten und Gemeinden lange übersehen worden sind, verschaffen sich so Gehör und erfahren, wie demokratische Entscheidungsprozesse ablaufen.

Mehr zum Thema Jugendbeteiligung

Die Jugendorganisationen der Parteien

 

In unserem Grundgesetz (Artikel 21) steht: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Das heißt, sie sind die treibende Kraft unserer Demokratie und geben unserem parlamentarischen System die Struktur. In ihren Programmen sammeln sich die verschiedenen Interessen und Meinungen. Politikerinnen und Politiker übernehmen Regierungsverantwortung oder stellen in den Parlamenten die Opposition. Die Parteien bieten allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, von den Kommunalparlamenten bis zum Bundestag, Politik mitzubestimmen. Das gilt auch schon für Jugendliche, denn alle großen Parteien haben Jugendorganisationen, in denen man ab 14 Jahren Mitglied werden kann.

Integration aktiv vorleben – TuS Makkabi Frankfurt


Der Turn- und Sportverein wurde 1965 in Frankfurt gegründet, um, wie es in der Satzung heißt, „die jüdische Kultur und Identät zu erhalten und zu fördern“. Er steht aber allen offen. Heute zählt er über 5.000 aktive Mitglieder aus 87 Nationen mit 12 Religionen. In 27 Abteilungen werden Sportarten von Ballett bis Yoga angeboten. Ziel des Vereins ist es, über den Sport Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen und damit kulturübergreifend Brücken zu bauen: „Bei uns ist kein Platz für Hass, Intoleranz und Ausgrenzung, wir sind vielfältig, tolerant, emotional.“ Makkabi Frankfurt bietet Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten, sich aktiv in die Vereinsarbeit einzubringen, auch im Rahmen von FSJ bzw. BFD.

So viele Möglichkeiten …


Auch außerhalb von Parteien und Parlamenten können sich junge Menschen in Hessen politisch und gesellschaftlich engagieren: Bei Feuerwehren oder Rettungsdiensten steht das Helfen im Mittelpunkt, wenn es darauf ankommt. Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wie Fridays for Future, Greenpeace oder Amnesty International machen sich für Umwelt, Klima oder Menschenrechte stark. Gewerkschaften kämpfen für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne.

Junge Akademie Frankfurt


Daneben gibt es eine Reihe von Projekten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, innovative Ideen zu entwickeln, wie Demokratie erlebbar und stärker gemacht werden kann. Dazu zählt die Junge Akademie Frankfurt. Seit 2017 ermöglichen die Hessische Landeszentrale für polische Bildung und die Evangelische Akademie Frankfurt 30 Menschen unter 30 Jahren ein ideelles Spendium. Hieraus entstehen jedes Jahr spannende Demokratie-Projekte mit jeweils unterschiedlichem Fokus. So bereitete 2025 eine Gruppe die „Macht.Medien“ Messe vor, auf der medienkompetenzstärkende Projekte vorgestellt und Kontakte zu regionalen und überregionalen Akteuren und Akteurinnen geknüpft wurden.

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Demokratiedeckel


Auch der Demokratiedeckel wurde bei der Jungen Akademie Frankfurt konzipiert. Auf zunächst sieben farbenfrohen Pappuntersetzern sind Fragen rund um das eigene Demokratieverständnis aufgedruckt. Sie sollen zum Nachdenken und zum Austausch in entspannter Atmosphäre anregen. Im Rhein-Main-Gebiet liegen sie als politischer Snack zum Getränk in einigen Gasthäusern auf den Tischen. Nach und nach gibt es von dem mittlerweile gegründeten Verein neue Deckel mit neuen Fragen zur „Stimmungslage“ in Deutschland.

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Fair Play Hessen


Das breiteste Spektrum an Möglichkeiten, um sich persönlich einzubringen, bieten die Vereine, von denen es in Hessen über 50.000 gibt. Allein der Landesportbund zählt über 2,2 Millionen Mitglieder. Etwa ein Viertel davon ist in Fußballvereinen organisiert, die auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sind. Vereine sind ein Motor der Integration, weil sich dort unterschiedliche Kulturen und Religionen begegnen, aber alle gemeinsame Ziele haben. Teamgeist und Fairness gehören zu jeder Sportart. Wer fair spielt, zeigt wahre Größe, auch wenn das Match verlorengeht. Um das sportliche Verhalten auf dem Fußballplatz zu fördern, hat der Hessische Fußball-Verband zusammen mit der Hessischen Landesregierung und der Sozialstiftung des Hessischen Fußballs die Initiative Fair Play Hessen gegründet.

Ihre fünf „Spielregeln“ lauten:

  1. Fußball spielen – Spaß haben
  2. Respekt zeigen – Vielfalt leben
  3. Fair zum Gegner – Fair zum Schiri
  4. Statt Meckern – Selber machen
  5. NEIN! Zu Diskriminierung und Gewalt.

Fair Play Hessen, dessen Stiftungskapital aus dem Erlös der Fußball-Weltmeisterschaft von 2006 stammt, bietet für die Fußballvereine ein großes und stetig wachsendes Netzwerk. Ziel ist es, für einen respektvollen Umgang beim Fußballspielen zu werben und den Vereinen u. a. bei Prävention, Intervention, Integration und Inklusion Hilfe anzubieten. Zu den Angeboten zählen u. a. auch ein Demokratie-Café.

Alle Angebote von Fair Play Hessen finden sich hier.

Hessischer Jugendring


Über eine Million junger Menschen sind in Hessen in Jugendorganisationen und -verbänden aktiv. Mehr als 75.000 engagieren sich ehrenamtlich. Im Hessischen Jugendring haben sich 31 landesweit aktive Jugendorganisationen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Schwerpunktthemen sind die Förderung von ehrenamtlichem Engagement, die außerschulische Jugendbildung, die Qualifizierung von Ehrenamtlichen und die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Der Hessische Jugendring versteht sich als Informations- und Servicestelle für die Jugendarbeit in Hessen und als Akteur, der in jugendpolischen Diskussionen die Stimme erhebt und Initiativen startet. Außerdem werden Fachtagungen, Seminare und praxisbezogene Publikationen als Fortbildungsmöglichkeiten angeboten.

Mehr zum Thema „Hessischer Jugendring“ erfahren Sie hier.

Und noch ein Tipp zum Schluss:


Wer sich selbst aktiv an Debatten und Diskussionsrunden beteiligen und sie vielleicht sogar moderieren möchte, der kann sich an dem Projekt Lass mal reden! Wie klappt unser Zusammenleben? der Hessischen Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ beteiligen. Die Gespräche finden mit acht bis zehn Jugendlichen oder jungen Erwachsenen im Rahmen von Vereinen, Initiativen und Jugendeinrichtungen statt. In den Dialogrunden sollen alle offen darüber sprechen, wie sie unsere Gesellschaft wahrnehmen und erfahren. Daneben wird ein Moderationstraining angeboten, das die Grundprinzipien der Gesprächsführung und die Ziele des Projekts vermittelt.

Mehr zu „Lass mal reden!“ erfahren Sie hier.

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