Wanderausstellung „Rechter Terror in Hessen“
Die Jahre 2019 und 2020 stellen einen traurigen Höhepunkt in der Geschichte rechter Gewalt in Hessen dar. Mit dem Mord am Kassler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke und dem Attentat von Hanau sind innerhalt kürzester Zeit elf Menschen kaltblütig aus ihrem Leben gerissen worden. In Wächtersbach und Kassel sind im gleichen Zeitraum zwei Personen bei brutalen Angriffen nur knapp mit ihrem Leben davongekommen. Es sind nur die drastischsten Beispiele der jüngeren Jahre, die überdeutlich gezeigt haben: Rechter Terror kann sich auch in Hessen jederzeit Bahn brechen.
Auch wenn wir es in den letzten Jahren mit einer neuen Qualität und Intensität rechter Gewalt zu tun haben, so zeigt der Blick in die Geschichte, dass rechter Terror alles andere als ein neues Phänomen ist – auch nicht in seiner tödlichen Dimension. Seit Gründung des Bundeslandes haben mindestens 20 Menschen durch brutale Gewalt ihr Leben verloren.
Der Politikwissenschaftler und die Politikwissenschaftlerin Yvonne Weyrauch haben in ihrem Buch „Rechter Terror in Hessen – Geschichten, Akteure, Orte“ die Kontinuität rechter Gewalttaten in Hessen nach 1945 aufgearbeitet. Dabei wurde deutlich, dass rechter Terror in der Geschichte Hessens einen permanenten Platz einnimmt. Auf Grundlage der Recherchen zu ihrem Buch haben der Autor und die Autorin nun eine Ausstellung konzipiert, die rechten Terror in seinen unterschiedlichen Facetten beschreibt.
Die Ausstellung zeigt auf 24 Roll-Ups ausgewählte Fälle schwerster rechter Gewalttaten seit Bestehen des Bundeslandes. Ausgehend von einem Foto thematisiert jedes Roll-Up einen Fall oder einen größeren Komplex. Der Hannover Fotograf Mark Mühlhaus hat die Ausstellung Orte rechten Terrors in Hessen, wie sie heute Aussehen, dokumentiert. Die Fotografien machen deutlich: An den meisten Orten erinnert nichts an die schrecklichen Gewalttaten. Nur an wenigen Tatorten befinden sich heute Gedenktafeln.
Dokumentiert werden Gewalttaten aus allen hessischen Regionen. Dies ermöglicht es, direkte Bezüge vor Ort herzustellen. Auf Einleitungstafeln wird das Thema „Rechter Terror“ inhaltlich gerahmt.
Die Ausstellung behandelt folgende Fragen:
- Was ist rechter Terror?
- Welche Motive verfolgen /extrem) rechte Täter?
- Wer waren die Betroffenen von rechter Gewalt?
- Inwiefern bestehen Korrelationen zwischen gesellschaftlichen Diskursen und extremer rechter Agitation und rechten Gewalttaten?
- In welchen Zeiten gab es besonders viele rechte Gewalttaten in Hessen?
- Gibt es typische rechte Gewalttäter?
Die Ausstellung verfolgt folgende Ziele:
- AUFKLÄRUNG: Bewusstsein schaffen und Wissen vermitteln über die lange Geschichte rechter Gewalt in Hessen
- ERINNERUNG: Gedenken an die Opfer rechter Gewalt in Hessen
- DEMOKRATIERSTÄRKUNG: Diskussionsräume schaffen zur Auseinandersetzung über die Notwendigkeit für demokratisches Engagement
Die Ausstellung richtet sich an:
- Initiativen und Vereine aus der demokratischen Zivilgesellschaft
- Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren
- Kommunale Einrichtungen und Träger
Ausleihe
Interessierte können die Wanderausstellung kostenlos über das DGB Bildungswerk Hessen unter info@dgb-bwh.de ausleihen. Der Transport der 30 Roll-Ups muss von den Ausleihern übernommen werden. Für den Transport ist mindestens ein PKW-Kombi nötig. Die Ausstellung sollte möglichst in barrierefreien und öffentlich zugänglichen Räumen gezeigt wird. Pro Roll-Up muss eine Ausstellungsfläche von einem Meter Breite eingeplant werden. Bei Platzmangel kann nach Absprache die Zahl der Exponate reduziert werden. Wünschenswert wäre ein pädagogisches Begleitprogramm, das von den ausleihenden Institutionen eigenständig erstellt und regional angepasst werden kann. Der Autor und die Autorin des Buches „Rechter Terror in Hessen – Geschichte, Akteure, Orte“, Sascha Schmidt und Yvonne Weyrauch, stehen kostenlos für (Eröffnungs-)Vorträge vor Ort zur Verfügung.
Für etwaige Schäden an der Ausstellung, ob im Rahmen des Transportes, der Präsentation, wie auch im Falle mutwilliger Zerstörung, haften die ausleihenden Personen oder Initiativen.
Kontakt für weitere Informationen:
Claudia Stul
Fachbereich I – Politisch-historische Zusammenhänge
Referat I/1 – Gedenkstätten/ Rechtsextremismus/ Antisemitismus
E-Mail: claudia.stul@hlz.hessen.de