Das Schwarzweiß-Bild zeigt einen Tisch an dem Militärangehörige sitzen und auf ein Dokument blicken. Generaloberst Joel, in der Mitte, unterzeichnet ein Dokument.

08. Mai 1945: 75. Jahrestag des Kriegsendes in Europa

Die Kapitulation war eine Befreiung, die den Weg für einen Neuanfang in Deutschland und Europa ebnete

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und der Befreiung vom Nationalsozialismus. Der Krieg hatte Millionen von Toten gefordert mit einem ungeahnten Ausmaß an Zerstörung, Massenvernichtung, Kriegsverbrechen, Verfolgung oder Zwangsumsiedlung durch das nationalsozialistische Verbrecherregime.

Generaloberst Alfred Jodl, zuvor von Karl Dönitz dazu autorisiert, unterzeichnet die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 7. Mai 1945 in Reims. Foto: Franklin D. Roosevelt Library (https://www.archives.gov)

Am 7. Mai 1945 hatte der Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht, Alfred Jodl, in Reims im amerikanischen Hauptquartier von General Eisenhower die Kapitulation der Wehrmacht vor den Westalliierten unterzeichnet. Am 8. Mai 1945 folgten die Teilstreitkräfte der Wehrmacht im sowjetischen Hauptquartier unter Marschall Schukow in Berlin-Karlshorst mit der Unterzeichnung der Kapitulation. Bereits am 4. Mai 1945 hatten in Nordwestdeutschland deutsche Armeen eine Teilkapitulation gegenüber dem britischen Feldmarschall Montgomery erklärt.

Die Verantwortung der Kapitulationen übernahm die Regierung Dönitz, die als letzte geschäftsführende Reichsregierung vom 2. bis 23. Mai 1945 im Amt war und deren Mitglieder am 23. Mai 1945 verhaftet wurden.

Mit der Unterzeichnung der Berliner Deklaration am 5. Juni 1945 übernahmen die Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika, die Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken und die Provisorische Regierung der Französischen Republik die oberste Regierungsgewalt in Deutschland. Deutschland und Österreich wurden in vier Besatzungszonen und Berlin sowie Wien in vier Sektoren eingeteilt. Jede Siegermacht bestimmte in seiner Zone/in seinem Sektor die wirtschaftliche und politische Entwicklung.

Im besiegten und besetzten Deutschland wurde das offizielle Kriegsende nur am Rande wahrgenommen, denn die meisten deutschen Gebiete waren bereits ab Oktober 1944 nach und nach von den Alliierten besetzt und befreit worden und unterstanden deren Militärregierung. Die Sorgen der Menschen galten dem täglichen Kampf ums nackte Überleben, galten den Angehörigen, den Kriegsgefangenen und Vermissten. Millionen von Flüchtlingen, Menschen ohne Zuhause, elternlose Kinder beherrschten das Bild der zerbombten Städte. Die Stimmungslagen schwankten zwischen Trauer und Resignation, aber auch Hoffnung und Optimismus.

In mehreren Ländern Europas wird das Kriegsende als stiller Gedenktag oder auch als Feiertag begangen, wie in Frankreich, Tschechien und der Slowakei am 8. Mai. In Russland wird der 9. Mai als Tag des Sieges und in den Niederlanden wird der 5. Mai als Befreiungstag gefeiert. Italien feiert am 25. April den Tag der Befreiung.

Als erstes freies Blatt – ohne NS-Propaganda – konnten die Aachener Nachrichten mit dem Titel „Der Krieg ist aus!“ die bedingungslose Kapitulation am 8. Mai 1945 vermelden. Außer den Aachener Nachrichten verkündeten von Deutschlands Zeitungen an diesem Tag nur noch die Flensburger Nachrichten die Kapitulation. Foto: ACBahn.

In der DDR wurde der 8. Mai 1950 (bis 1967) als Feiertag, als Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus, eingeführt. Danach war dieser wieder ein normaler Werktag, allerdings fanden bis zum Ende der DDR an diesem Tag offizielle Feierlichkeiten zum Kriegsende statt.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde der 8. Mai hingegen viele Jahre nicht als Erinnerungstag an das Kriegsende wahrgenommen und begangen. Bundeskanzler Willy Brandt gab am 8. Mai 1970 zum ersten Mal eine offizielle Regierungserklärung anlässlich des 25. Jahrestages im Deutschen Bundestag ab. Erst zum 40. Jahrestag, am 8. Mai 1985, erhielt dieser Tag durch eine umfangreiche und kontroverse Debatte eine entsprechende Aufmerksamkeit. Im Rahmen einer Gedenkstunde im Deutschen Bundestag hielt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker eine Rede „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, in der er den 8. Mai als „Tag der Befreiung … von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft …“ bezeichnete.

Seit dem 8. März 2002 ist der 8. Mai in Mecklenburg-Vorpommern staatlicher Gedenktag als „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges“. In Brandenburg ist er seit Mai 2015 offizieller Gedenktag.

In Berlin wird der 75. Jahrestag am 8. Mai 2020 einmalig als gesetzlicher Feiertag begangen.

In der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung können folgende Publikationen zum Thema bestellt werden:

Andrew Roberts: Feuersturm. Eine Geschichte des Zweiten Weltkriegs

Ulrich Herbert: Das Dritte Reich

Matthias Uhl: Die Teilung Deutschlands

Von der Teilung zur Wiedervereinigung: Dokumente zur Deutschen Frage in der Zeit des Kalten Krieges (1945-1989/90)

<-- Zu den Stichwörtern