27. November 2021: 100. Geburtstag des Slowaken Alexander Dubček

Das Gesicht des „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“

„Die Ideologie des Marxismus / Leninismus, landläufig als Kommunismus oder real existierender Sozialismus bezeichnet, ist ein Traum. Träume haben nun das Schicksal, dass man sie real eben nicht erlebt. Alexander Dubček hatte den Traum, seinen Traum vom ‚Sozialismus mit menschlichen Antlitz‘, vom tatsächlich lebenswerten Kommunismus, von dem nicht nur die Machthaber, sondern auch die Menschen profitieren, auch in die Politik umsetzen zu können. Gerade das Scheitern von Alexander Dubček gibt ihm im Nachhinein ein europäisches Denkmal,“ so Dr. Alexander Jehn, Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Dubčeks Name steht für den sogenannten „Reformkommunismus“, den er als mächtigster Politiker der Tschechoslowakei entwarf und mit dem er sein Land in eine demokratischere und sozial gerechtere Zukunft führen wollte. Er wurde der weltweit berühmte Repräsentant des „Prager Frühlings“, der den Beginn der Reformen markiert.

Alexander Dubček, September 1968
Foto: National Archives (archive.org), Public domain
Wikimedia Commons File

Dabei war der Lebensweg des am 27. November 1921 im nordwestslowakischen Uhrovec in der früheren Tschechoslowakei geborenen Dubček fest vom sowjetischen Herrschaftssystem geprägt. Er lebte mit seinen Eltern von 1925 bis 1938 in der Sowjetunion. In dieser Zeit erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers. 1939 schloss er sich der „Kommunistischen Partei der Slowakei“ an und bekleidete ab 1949 verschiedene Parteiämter. 1955 ging er für drei Jahre zum Studium an die Moskauer Parteihochschule der „Kommunistischen Partei der Sowjetunion“ (KPdSU).

In der sowjetischen Hauptstadt lernte er die „Tauwetter-Periode“, die Entstalinisierungspolitik Nikita Chruschtschows ab 1956, kennen. In der „Tschechisch-Slowakischen Republik“ (ČSSR) hingegen bestand zu dieser Zeit der uneingeschränkte Stalinismus weiter fort.

Innerhalb der Partei stieg Dubček die Ämterlaufbahn immer weiter hinauf, bis er im Oktober 1967 den amtierenden Staats- und Parteichef Antonín Novotny zum Rücktritt aufforderte, dessen rigides System von der Bevölkerung immer mehr abgelehnt wurde. Am 5. Januar 1968 löste Dubček ihn als Ersten Sekretär der „Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei“ (KPČ) ab.

Nachdem der „Prager Frühling“ in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 durch die Truppen des Warschauer Pakts (mit Ausnahme Albaniens, der DDR und Rumäniens) niedergeschlagen worden war, musste Dubček am 17. April 1969 als Parteichef der KPČ zurücktreten, wurde im Juni 1970 aller bisherigen Ämter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen.

Alexander Dubček (1921-1992)
Foto: Hesekiel, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0
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1989 kehrte er in die Politik zurück. Er schloss sich der antikommunistischen Opposition an und wurde gemeinsam mit dem tschechischen Politiker und Regimegegner Václav Havel eine der Hauptfiguren der weitgehend gewaltfreien „Samtenen Revolution“, die den Wechsel von der sozialistischen Gesellschaftsordnung zur demokratischen „Tschechoslowakischen Föderativen Republik“ bezeichnet. In deren Folge wurde Dubček zum Vorsitzenden des föderalen tschechoslowakischen Parlamentes (1989–1991) gewählt. Im Jahr 1992 wurde er Vorsitzender der „Sozialdemokratischen Partei“ (ČSSD) in der neu gegründeten Slowakei.

Im gleichen Jahr starb Dubček an den Folgen eines Autounfalls. Es wurden Stimmen laut, die die offizielle Version anzweifelten und stattdessen an einen gezielten Anschlag auf Leben glaubten. Auf Drängen der ČSSD leitete das Innenministerium 1999 eine erneute Untersuchung von Dubčeks Tod ein. Sie kam jedoch zu dem Schluss, der Unfall sei auf Aquaplaning bei überhöhter Geschwindigkeit zurückzuführen.

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