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4. Februar 1897: 125. Geburtstag Ludwig Erhard – Gesicht des deutschen Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit

Als „Vater der D-Mark" und Begründer der Sozialen Marktwirtschaft hatte Ludwig Erhard wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Aufstieg der jungen Bundesrepublik. Mit der Währungs- und Wirtschaftsreform von 1948 prägte er ihre Wirtschafts- und Sozialordnung mit. Seine dampfende Zigarre war das Sinnbild der dampfenden Schlote des Ruhrgebiets, Markenzeichen des Wirtschaftswunders. Der Startschuss für das Wirtschaftswunder in den ehemaligen drei Westzonen fiel im „Konklave von Rothwesten“ in einer Kasernenanlage im nordhessischen Fuldatal, als dort im Frühjahr 1948 die Grundlagen für die Währungsreform festgezurrt wurden. 

Ludwig Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren. Er besuchte die Realschule und blieb mit einer Lehre als Weißwarenhändler in der Branche seines Vaters. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er als Artillerist schwer verwundet wurde, heiratete er die Volkswirtin Luise Schuster. Nach Abschluss seines Studiums als Diplom-Kaufmann in Nürnberg studierte er 1922 bis 1925 an der Frankfurter Universität Betriebswirtschaftslehre, Nationalökonomie und Soziologie. 1925 wurde er dort zu einem währungspolitischen Thema promoviert. Kurzzeitig Geschäftsführer im elterlichen Betrieb, setzte er seinen wissenschaftlichen Weg mit der langjährigen Tätigkeit am „Institut für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware“ an der Handelshochschule Nürnberg, das in erster Linie Konsumforschung betrieb, fort. Inzwischen mit dem Ruf eines Wirtschaftsspezialisten umgeben, gründete er 1942 ein eigenes Forschungsinstitut, das „Institut für Industrieforschung“. 1944 verfasste er eine (nicht publizierte) Denkschrift „Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung“ im Auftrag der Reichsgruppe Industrie, in der er auch Überlegungen zur Neuordnung Deutschlands nach der von ihm vorweggenommenen Kriegsniederlage anstellte. Tatsächlich war Erhards Rolle im Nationalsozialismus zwiespältig. Seiner eigenen Darstellung als Opfer des nationalsozialistischen Regimes stehen u.a. die vielen im Regierungsauftrag verfassten Gutachten über die Wirtschaft in den besetzten Gebieten Lothringen und Polen entgegen. 


Leiter der „Sonderstelle Geld und Kredit“ im hessischen Bad Homburg 


1945 wurde er vorübergehend Staatsminister für Handel und Gewerbe in Bayern. Als Leiter der „Sonderstelle Geld und Kredit“ im hessischen Bad Homburg v.d. Höhe bei der Finanzverwaltung der britisch-amerikanischen Bizone wurde er im Oktober 1947 mit der Vorbereitung einer Währungsreform beauftragt. Im gleichen Jahr wurde er Honorarprofessor für Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität München. Im März 1948 stieg er zum Leiter der Zweizonenverwaltung für Wirtschaft auf. 


Die Währungsreform vom 20. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen löste einen überraschenden Wirtschaftsaufschwung aus, was sich später unter dem Schlagwort „Wirtschaftswunder“ mit Vollbeschäftigung und einer rasant wachsenden Wirtschaft in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingeschrieben hat. An die Stelle der nationalsozialistischen Zwangsbewirtschaftung und Preisbindung (abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Grundnahrungsmitteln, Energieträgern und Mieten) setzte Erhard Marktwirtschaft und Wettbewerb. Zwar waren die Schaufenster und Läden plötzlich voll, aber die freigegebenen Preise schossen in die Höhe, während die Löhne gesetzlich eingefroren waren. Bei einer Inflation von 200 Prozent und mehr formierte sich im November 1948 ein Generalstreik. Mit der Aufhebung des Lohnstopps und anderen Maßnahmen zur Abschwächung des harten marktwirtschaftlichen Kurses wurde er beendet. Um die soziale Komponente ergänzt, sollte der wirtschaftspolitische Teil des „Ordoliberalismus“ als Soziale Marktwirtschaft zu Wohlstand für alle führen.
 

14 Jahre Bundeswirtschaftsminister


Als Kandidat der CDU wurde Erhard 1949 im ersten Kabinett Konrad Adenauers Bundeswirtschaftsminister und bekleidete dieses Amt 14 Jahre. Im Folgejahr wurde er Honorarprofessor für Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Bonn. Als die Montanunion im Juli 1952 in Kraft trat, wurde er Mitglied des Ministerrats der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), im August 1952 nach Deutschlands Beitritt deutscher Gouverneur der Weltbank.
Gegen den Willen Adenauers zum Kanzlerkandidaten nominiert, wurde Erhard 1963 zum Bundeskanzler gewählt, 1965 wiedergewählt und 1966 CDU-Parteivorsitzender. Seine Regierungspolitik war in geringerem Maße als seine Wirtschaftspolitik von Erfolg gekrönt. Eine Rezession in der dauerwachstumsverwöhnten Bundesrepublik kratzte an Erhards Reputation als Wirtschaftsfachmann. Nach Differenzen mit dem Koalitionspartner FDP trat er am 1. Dezember 1966 als Bundeskanzler zurück.
Mit seiner 1967 ins Leben gerufenen Stiftung versuchte Erhard seine Prinzipien in Wirtschaft und Gesellschaft dauerhaft zu verankern. Bis zu seinem Tod am 5. Mai 1977 blieb er Abgeordneter des Deutschen Bundestags.


Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung bietet folgende Publikationen zum Thema an:
Thomas Brachenmacher: Die Bonner Republik
Wolfgang Maron/Juliane Plöger: Deutschland seit 1945