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18. Juni 2022: Die documenta öffnet zum 15. Mal ihre Tore

Vom 18. Juni bis zum 25. September 2022 findet in Kassel die „documenta fifteen“ unter der Leitung des Künstlerkollektivs ruangrupa (wörtlich „visueller Raum“) aus Indonesien statt. Das Ziel der im Jahr 2000 gegründeten Gruppe ist es, eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform zu schaffen, die über die 100 Tage Öffnungsdauer hinaus wirksam bleiben soll. Zu den 32 Ausstellungs- und Veranstaltungsorten der „documenta fifteen“ zählt das ruruHaus nahe dem Fridericianum, das Ausgangspunkt und „Wohnzimmer“ der documenta fifteen ist.

Kontinuierliche Veränderung

Als die documenta 1955 erstmals begleitend zur Bundesgartenschau in der Ruine des zerstörten Museums Fridericianum eröffnet wurde, zeigte sie die Entwicklungen der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, die während der nationalsozialistischen Herrschaft als „Entartete Kunst“ nicht präsentiert werden durfte. Daher stand die abstrakte Kunst und insbesondere die abstrakte Malerei der 1920er- und 1930er-Jahre in ihrem Mittelpunkt.

Während es der Anspruch des Initiators der ersten documenta, des Kasseler Kunstprofessors und Designers Arnold Bode, war, eine Dokumentation der modernen Kunst jener Jahre zu sein, verlagerte sich der Schwerpunkt der nachfolgenden, seit 1977 im 5-Jahre-Turnus stattfindenden documenta-Ausstellungen hin zur zeitgenössischen Kunst. Nach den anfänglichen Beschränkungen auf europäische Kunst, präsentierten sie jedoch schon bald auch Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus Amerika, Afrika und Asien. Neben der Schau von aktuellen Tendenzen der Gegenwartskunst bietet sie darüber hinaus Raum für neue Ausstellungskonzepte.

Einer der Fixpunkte der vielen verschiedenen Ausstellungsorte innerhalb des Kasseler Stadtgebiets ist das Fridericianum, das 1779 als eines der ersten öffentlichen Museen auf dem europäischen Kontinent für die Ausstellung der von den hessischen Landgrafen gesammelten Kunstgegenstände vollendet wurde. Neben den künstlerischen Arbeiten innerhalb von Gebäuden wie etwa in der 1992 gebauten documenta-Halle sind auch Werke unter freiem Himmel fester Bestandteil der Ausstellungen. Während der documenta 14 kam Athen als zweiter Ausstellungsort hinzu. 

ruangrupa – die künstlerische Leitung der documenta fifteen

Die einstimmige Wahl der internationalen Findungskommission für die künstlerische Leitung der documenta fifteen fiel im Februar 2019 auf das Künstlerkollektiv ruangrupa (wörtlich „visueller Raum“) aus der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Das Ziel der im Jahr 2000 gegründeten, im Kern aus zehn Künstlerinnen und Künstlern bestehenden Gruppe ist es, eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform zu schaffen, die über die 100 Tage Öffnungsdauer hinaus wirksam bleibt. Grundlage dafür ist ein gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcennutzung – sowohl in ökonomischer Hinsicht als auch in Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen. 

Das Konzept lumbung

Das Konzept der documenta fifteen beruht auf den Prinzipien und Werten von lumbung. Mit diesem indonesischen Wort wird der kollektive Aufbewahrungsort für die von einer Gemeinschaft produzierte Ernte („Reisscheune“) bezeichnet. Dessen immanente Werte der Kollektivität, des gemeinschaftlichem Ressourcenaufbaus und der gerechten Verteilung sind Grundlage der Zusammenarbeit von ruangrupa und seiner Ausstellungskonzeption. Sie beinhaltet gemeinschaftsorientierte Kollektive, Organisationen und Institutionen aus aller Welt wie auch viele Kasseler Institutionen, um lumbung zu praktizieren und an neuen Nachhaltigkeitsmodellen und kollektiven Praktiken des Teilens zu arbeiten. 

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann folgende Publikation zum Thema bestellt werden:

Dirk Schwarze: Die Karriere einer Ausstellung – 60 Jahre documenta