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17. März 1622: 400. Geburtstag von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Mit der Veröffentlichung des "Abenteuerlichen Simplicissimus Teutsch" 1668 unter dem Pseudonym German Schleifheim von Sulsfort gelang Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen ein Stück Weltliteratur. In diesem bedeutendsten deutschen Barockroman beschreibt er die Abenteuer des Simplicius (des „Einfältigen“) in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und schuf damit ein zeit- und kulturhistorisches Werk voller Spannung und hintergründigen, derben Humors. Sein Hauptwerk wie auch seine anderen satirisch-realistischen Romane und Erzählungen wurden zeithistorische Dokumente, die sich bei seinen Zeitgenossen großer Beliebtheit erfreuten.

„Grimmelshausen ist der bedeutendste deutsche Erzähler des kriegsgeschüttelten 17. Jahrhunderts. Als realistischer volkstümlicher Schriftsteller schrieb er mit seinem »Simplicissimus« den ersten deutschen Prosaroman von Weltgeltung. Statt fein-höfisch gab es bei ihm derb-drastisch. Vielleicht passt er gerade deshalb in die Ahnenreihe bedeutender Hessen hinein“, so HLZ-Direktor Dr. Alexander Jehn.
 

Grimmelshausens Herkunft und jungen Jahre

Da es nur wenige Dokumente zu seiner Person gibt, wurden häufig vermeintlich autobiografische Textstellen des „Abenteuerlichen Simplicissimus Teutsch“ auf die Biografie des Autors übertragen. Danach wäre Grimmelshausen am 17. März 1622 geboren. Gesichertes Wissen gibt es zu seinem Geburtsdatum jedoch nicht, auch für sein Geburtsjahr kommen 1622 oder 1621 in Frage. 

Belegt ist hingegen sein Geburtsort Gelnhausen, eine protestantische Freie Reichsstadt. Grimmelshausen entstammte einer verarmten thüringischen Adelsfamilie, was ihn später dazu bewog, den Adelstitel „von“ hinzuzufügen, den sein Großvater Melchior Christoph Grimmelshausen abgelegt hatte. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs Grimmelshausen beim Großvater auf. Er besuchte vermutlich einige Jahre die örtliche lutherische Lateinschule. Ohne traditionelle humanistische Schul- und Universitätsausbildung gehörte er damit nicht zur Elite seiner Zeit. 

Kriegsjahre

Als Gelnhausen 1634/35 dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer fiel und zerstört und geplündert wurde, war Grimmelshausens Leben vom Herumziehen mit der Armee in verschiedenen Gegenden Deutschlands geprägt. Vermutlich kam er als Trossjunge mit den kaiserlichen Truppen in die Gegend um Magdeburg. 1637 findet er sich in Westfalen wider, 1638 am Oberrhein, wo er nach den beiden Niederlagen der kaiserlich-bayerischen Truppen die Stadt Offenburg als Garnisonssoldat verteidigte.

Danach setzt ein Wendepunkt ein: Grimmelshausen wurde Schreiber in der Offenburger Regimentskanzlei. Als 1647 die Schweden und Franzosen in Bayern einfielen, nahm Grimmelshausen als Sekretär am Feldzug in Bayern teil. 1649 endete seine Militärzeit. 

Grimmelshausens bürgerliches Leben

1649 heiratete Grimmelshausen die katholische Katharina Henninger in Offenburg. Im gleichen Jahr wechselte er die Konfession und trat zum Katholizismus über. Bereits zu dieser Zeit nannte er sich „von Grimmelshausen“. Er wurde Verwalter der Schauenburgschen Güter in Gaisbach (Renchtal).1662 bis1665 war er Burgvogt auf Schloss Ullenburg bei Gaisbach. Die beiden folgenden Jahre verdingte er sich als Gastwirt in Gaisbach. Anschließend bekleidete er im badischen Renchen das Amt des Schultheiß, womit er bischöflicher Beamter auf Lebenszeit wurde und dieses Amt bis zu seinem Tod begleitete. 1673 trat er noch einmal in den Kriegsdienst ein, als König Ludwig XIV. Feldzüge gegen die Niederlande unternahm.
Am 17. August 1676 verstarb Grimmelshausen in Renchen, wo er auch begraben wurde. 

Grimmelshausens literarisches Werk

Grimmelshausens Hauptwerk, der „Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“, besteht aus fünf Büchern und einer Continuatio (Fortsetzungsgeschichte) und ist von derber, spaßiger Fabulierkunst und abgründigem Humor gekennzeichnet. Der Held Simplicissimus (der „Einfältigste der Einfältigen") wird als eine Mischung aus dumm dreist, naiv und fromm charakterisiert. Er wird als Kind von Soldaten verschleppt, schafft es zum Offizier und wechselt mehrfach die Seiten der Kriegsparteien. Er hat die phantastischsten Erlebnisse und schlittert von einer unglaublichen Situation in die nächste. Dabei kommt er durch die vom Dreißigjährigen Krieg gebeutelten deutschen Lande bis nach Ägypten, Moskau, Korea und Konstantinopel. Am Ende kehrt er zurück in die Heimat und zieht sich, enttäuscht von der Welt, als Einsiedler zurück.

Dem Humor steht ein eindringliches Bild vom Dreißigjährigen Krieg gegenüber, der durch Plünderung, Verwüstung und schlimmste Gräueltaten gezeichnet war. Der Roman schwingt zwischen den für die Barockliteratur typischen Extremen der überschäumenden Lebenslust und der Vergänglichkeit der Welt und der allgegenwärtigen Todesangst hin und her. 

Zu seinen weiteren Romanen, Traktaten und Schriften zählen u.a. „Der Satyrische Pilgram (1667), „Trutz Simplex Oder … Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche (1670; von Bertolt Brecht in seiner „Mutter Courage und ihre Kinder“ aufgegriffen), Ewig währender Kalender (1671) und „Der teutsche Michel“ (1673). 

Seit 1993 wird der Johann-Jacob-Christoph-von-Grimmelshausen-Preis, ein Literaturpreis, alle zwei Jahre von den Städten Gelnhausen und Renchen vergeben.  

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann folgende Publikation zum Thema bestellt werden:

Helmut Neuhold: Der Dreißigjährige Krieg