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16. Februar 1497: 525. Geburtstag von Philipp Melanchthon – einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des Humanismus und der Reformation

Melanchthon gehört zu den großen kirchenpolitischen Akteuren und theologischen Autoren der Wittenberger Reformation. Der ursprüngliche Altgriechisch-Professor war ein enger Weggefährte Martin Luthers und stand nach dessen Tod an der Spitze der Reformation. Dabei war die Wissenschaft für Melanchthon der Schlüssel für die Erkenntnis der Welt und ihrer Ordnung und der Schlüssel zur Erkenntnis Gottes. Darüber hinaus hatte Melanchthon, bereits zu Lebzeiten als „Praeceptor Germaniae“ bezeichnet, als Humanist und Pädagoge große Verdienste. Die Wirkung seiner pädagogischen Schriften reichte bis nach Skandinavien und Osteuropa. Melanchthon war ein Bildungsbürger mit einem ausgesprochenen Sendungsbewusstsein an zeitgemäßer Bildung, ein auf Ausgleich bedachter Bildungsbotschafter über Grenzen hinweg. Dies macht ihn als Person auch für die politische Bildung interessant.

Melanchthons Jugendjahre und Studienzeit

Philipp Melanchthon wurde am 16. Februar 1497 als Sohn des kurpfälzischen Waffenschmieds Georg Schwartzerdt und Barbara Reuter in Bretten geboren. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1507 siedelte er mit seiner Großmutter, einer Schwester des Humanisten, Gelehrten und Schriftstellers Johannes Reuchlin, nach Pforzheim über. In dieser Residenzstadt des badischen Markgrafen mit ihrem regen geistigen Leben besuchte er die Lateinschule. Noch während seiner Schulzeit hatte Reuchlin im März 1509 dem begabten Melanchthon eine griechische Grammatik geschenkt und diese ihm mit dem gräzisierten Namen Melanchthon (Mela = schwarz, Thon = Erd) gewidmet. Seitdem trug Philipp den Namen Melanchthon. Schon als 12-Jähriger begann er an der Universität in Heidelberg alte Sprachen, aber auch Philosophie und Literatur zu studieren. Er beendete das Studium 1512 mit dem Grad des Baccalaureus artium und ging anschließend nach Tübingen, wo er Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie studierte und 1514 mit der Magisterprüfung der Freien Künste abschloss. Als Universalgelehrter wurde Melanchthon zu einem von den Studenten meist gelesenen Autoren seiner Zeit. In Tübingen begegnete er wieder Johannes Reuchlin, der ihn förderte und großen Einfluss auf ihn ausübte. 

Melanchthon und Luther

Nach Lehrtätigkeit und Herausgabe einer eigenen griechischen Grammatik (1518) erhielt Melanchthon auf Vorschlag Reuchlins den Ruf des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen an die neu gegründete Universität Wittenberg, wo er den Lehrstuhl für Griechisch und Hebräisch erhielt. In Wittenberg ging der 23j-ährige Waffenschmiedesohn 1520 auch die von Luther arrangierte Ehe mit Katharina Krapp, der Tochter des Wittenberger Bürgermeisters, ein, aus der vier Kinder hervorgingen.

In seiner Antrittsvorlesung entwarf Melanchthon das Programm seiner künftigen akademischen Tätigkeit und sprach sich für Reformbestrebungen aus, die er mit den humanistischen Ideen und einer Annäherung an die Bibel verband. Für die Erneuerung des Bildungswesens wies er auf das unverzichtbare Quellenstudium der antiken Autoren und der Bibel hin, deren richtiges Verständnis sich über die alten Sprachen eröffne. Martin Luther war von Melanchthons Ausführungen stark beeindruckt. 

Der 14 Jahre jüngere Melanchthon wurde zu einem der wichtigsten Gesprächspartner und Mitarbeiter Luthers. Sie ergänzten sich: Melanchthon lehrte Luther die griechische Sprache und Luther führte ihn in die reformatorische Theologie ein. Melanchthon wiederum gab den Anstoß, die lateinische Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Aufgrund seiner Quellenkenntnis, der Beherrschung der klassischen Sprachen und Kenntnis der spätmittelalterlichen Scholastik war er dabei unentbehrlich. Im September 1522 erschien eine erste Übersetzung des Neuen Testaments. 1534 lag eine Übersetzung der gesamten Heiligen Schrift vor. 
 

Auch als Verfasser anderer Schriften zeigte sich Melanchthon als Reformator. 1521 verfasste er die „Hauptpunkte" (Loci communes rerum theologicarum), eine Zusammenfassung und Systematisierung von Luthers Rechtfertigungslehre. Großen Anteil hatte Melanchthon auch an der Entstehung der evangelischen Bekenntnisschrift, den „Augsburger Bekenntnissen" (Confessio Augustana) 1530. Dieses Gründungsdokument des Protestantismus, das auf dem Augsburger Reichstag Kaiser Karl V. vorgetragen wurde, wurde 1555 im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden festgeschrieben und sicherte den lutherischen Reichsständen dauerhaft ihre Besitzstände und freie Religionsausübung zu. Ferner verfasste Melanchthon die „Verteidigungsschrift des Augsburgischen Bekenntnisses“ (Apologia Confessionis Augustanae). Er benannte darin das Zölibat, das Klostergelübde, die Beichte und die bischöfliche Gewalt als kirchliche Missstände.

Mit theologisch-wissenschaftlichen Argumenten unterstützte Melanchthon Luther auch bei der Vorstellung und Verteidigung reformatorischer Positionen. An der Seite Luthers nahm er 1519 an der Leipziger Disputation teil, bei der Luther die Vorrangstellung des Papstes angriff. 1529 war er am Marburger Religionsgespräch beteiligt, dessen Ziel es war, die verschiedenen theologischen Positionen der Anhänger Luthers und des Schweizer Reformators Huldrych Zwingli beizulegen.

Im Landgrafenschloss, hoch über der Marburger Altstadt, fand dieses Religionsgespräch vom 1. bis 4. Oktober 1529 als eine der bedeutendsten Theologenversammlung der Reformationszeit statt. Hier kam es auch zur einzigen Begegnung zwischen Luther und Zwingli. Auch Melanchthon gehörte zu den namhaften Persönlichkeiten der Versammlung. In den sogenannten „Marburger Artikeln“ gelang jedoch keine Annäherung in der Frage des Abendmahls: Während Luther an der traditionellen Lehre von der leiblichen Gegenwart Christi im Brot und Wein festhielt, verstand Zwingli die Abendmahlfeier als symbolische Gedächtnishandlung. 

1529 gehörte Melanchthon zu den Teilnehmern des Reichstags (Protestation) zu Speyer, auf dem gegen die Reichsacht Luthers protestiert wurde. 1530 nahm er am Reichstag zu Augsburg und 1537 am Konvent in Schmalkalden teil.

Anders als die theologischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Melanchthon und Luther in den späteren Jahren, führten die theologischen Differenzen Luthers mit dem niederländischen Humanisten und Theologen Erasmus von Rotterdam zum Abbruch ihres Kontakts. Melanchthon hingegen blieb mit ihm zeitlebens in Verbindung. 

Nach Luthers Tod (1546) wurde Melanchthon zum Wortführer der Reformation. Seine auf Ausgleich bedachte theologische Linie ebnete der Reformationsbewegung einerseits viele Wege, andererseits zog sich Melanchthon damit die Gegnerschaft radikaler Reformatoren zu.


Der Reformer von Universitäten und Schulen

In den reformatorischen Gebieten war das Schulwesen in die Krise geraten. Denn die Klöster, in denen Kinder unterrichtet werden konnten, waren aufgelöst worden. Melanchthon verfolgte daher das Ziel einer evangelisch geprägten Bildung mittels reformierter Universitäten und einer erneuerten Schule. Zwischen 1522 und 1525 veröffentlichte er Lehrbücher und religionspädagogische Schriften, die ihm die anerkennende Bezeichnung „Praeceptor Germaniae" (Lehrer Deutschlands) einbrachte. In Kursachsen wurden auf sein Betreiben mehrere Schulen – Knaben- und Mädchenschulen –, gegründet. 

Melanchthons letzte Jahre

Im Oktober 1557 starb Melanchthons Frau. Nach Jahren der Trauer starb er am 19. April 1560. Er wurde in der Wittenberger Schlosskirche, direkt gegenüber Luthers Grab, beigesetzt. Die Evangelische Kirche in Deutschland erhob den 19. April zum Gedenktag an Philipp Melanchthon. 
 

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung können folgende Publikationen zum Thema bestellt werden:

Luise Schorn-Schütte: Die Reformation

Heinrich-August Winkler: Wie wir wurden, was wir sind