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10. März 1847: 175. Geburtstag von Kate Sheppard

Vorreiter der Moderne

Neuseeland liegt auf dem Globus etwas abseits. Dennoch setzte das Land bereits vor der vorletzten Jahrhundertwende Maßstäbe im Umgang mit bisher benachteiligten Personengruppen. Für das alte Europa waren diese neuen Maßstäbe höchst modern. Als sich die Insel seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund des New Zealand Constitution Act 1852 weitgehend selbständig verwaltete, bekamen ab 1867 auch die männlichen Māori das Wahlrecht und Sitze im Parlament. Am 8. September 1893 wurde das Gesetz, das Neuseeländerinnen mit britischer Staatsbürgerschaft ab 21 Jahren das aktive Frauenwahlrecht verlieh, mit hauchdünner Mehrheit beschlossen. Maorifrauen waren eingeschlossen. Gefängnisinsassinnen und Frauen in psychiatrischen Anstalten waren vom Wahlrecht allerdings weiter ausgeschlossen. 

Das Land entschied sich 1901 gegen einen Beitritt zum Commonwealth of Australia. Die Kolonie erhielt 1907 den Status einer Dominion und erlangte damit faktische Unabhängigkeit. Über die gesamte Kolonialzeit bis in die jüngere Gegenwart hinweg zeigte sich das Land als sehr verlässlicher Bündnispartner Großbritanniens. 

Eine Persönlichkeit, die Neuseelands Weg in die Moderne mitprägte, war Kate Sheppard. Sheppard zählte als Sozialreformerin und Präsidentin des National Council of Women zu den führenden Persönlichkeiten der neuseeländischen Frauenbewegung und setzte sich erfolgreich für das weltweit erste aktive Frauenwahlrecht in Neuseeland ein. Am 19. September 1893 trat das aktive Wahlrecht für Frauen ab 21 Jahren in Neuseeland in Kraft – ein Meilenstein auf dem steinigen Weg der Frauen zur Gleichberechtigung. Seit 1990 würdigt Neuseeland die Pionierin der Frauenbewegung mit ihrem Konterfei auf der Vorderseite der neuseeländischen 10-Dollar-Banknote.


Ihr Leben

Kate Sheppard (Catherine Wilson Malcolm) wurde am 10. März 1847 im englischen Liverpool als zweitälteste Tochter der schottischen Familie von Andrew Wilson Malcolm und Jemima Crawford Souter geboren. Sie wuchs weitgehend in Schottland auf, wo ihre christlich-religiösen Prinzipien und soziale Einstellung von ihrem Onkel, einem Pastor der Free Church of Scotland, geprägt wurde. Aufgrund einer sehr guten Bildung hatte sie ein umfangreiches Wissen in Wissenschaft, Kunst und Recht.

Nach dem frühen Tod ihres Vaters wanderte die Familie 1868 nach Christchurch in Neuseeland aus. 1871 heiratete sie den Großhandelskaufmann Walter Allen Sheppard, mit dem sie einen Sohn hatte. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes heiratete sie im hohen Alter von 78 Jahren im August 1925 ein zweites Mal. Sie starb am 13. Juli 1934 in Riccarton (heute Christchurch) im Alter von 87 Jahren. 


Für Gleichberechtigung und Frauenwahlrecht

Nach Kate Sheppards Überzeugung sollten Frauen an allen Bereichen von Gesellschaft und Politik teilhaben können. Ihre ersten Bestrebungen galten der Abschaffung der klassischen beengenden Frauenbekleidung wie das Korsett. In einer Zeit, in der körperliche Betätigungen von Frauen als „unwomanly“ galten, setzte sie sich auch fürs Fahrradfahren und andere sportliche Aktivitäten ein. 

1885 gründete sie zusammen mit Mary Leavitt von der Woman’s Christian Temperance Union (WCTU) in den Vereinigten Staaten die Women’s Christian Temperance Union of New Zealand. Im Rahmen der in vielen Ländern verbreiteten Abstinenzbewegung setzte sie sich in dieser Zeit für ein Alkoholverbot ein. 

1887 wurde sie Leiterin der Kampagne für das uneingeschränkte Wahlrecht von Frauen in Neuseeland. Sie verfasste zahlreiche Pamphlete, organisierte Versammlungen und Lesungen und brachte eine Reihe von Petitionen im Parlament ein. Unterstützt von einer Unterschriftenliste, in die sich etwa ein Drittel aller neuseeländischen Frauen eintrugen, war die fünfte Petition erfolgreich: Mit der Wahlrechtsänderung erhielten Frauen über 21 Jahren am 19. September 1893 in Neuseeland (außer den Pitcairninseln) einschließlich seiner Kolonien das aktive Wahlrecht. Diese Nachricht verbreitete sich in kürzester Zeit und stärkte die Suffragettenbewegung weltweit. Die Aktivistinnen dieser Bewegung setzten sich für das aktive Wahlrecht für Frauen durch passiven Widerstand, Demonstrationen, Störungen öffentlicher Veranstaltungen bis zu Hungerstreiks ein. In Europa führte Finnland als erstes Land 1906 das Frauenwahlrecht ein, Liechtenstein war 1984 das letzte.

1894 reiste Kate Sheppard nach England und unterstützte dort die Frauenrechtsbewegung. 1895 nahm sie als Delegierte Neuseelands an der Weltkonferenz der WCTU in London teil und gründete 1896 einen National Council of Women (Frauenparlament) in Neuseeland. Ihm stand sie drei Jahre lang als Präsidentin vor. An der ab 1895 von der WCTU herausgegebenen, einzigen   ausschließlich im Besitz von Frauen befindlichen und von ihnen erstellten Zeitung war Sheppard aktiv engagiert. 
 

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung können folgende Publikationen zum Thema bestellt werden:

U. Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789

K. Wolff/F. Geyken (Hg.): Starke Hessinnen

I. Sahmland: 1908 – Studentinnen in hessischen Hörsälen