»Wieder hatten wir keine Rechte, standen wieder auf der Straße« – Die verfolgten Sinti und Roma in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft

Erinnern an die Opfer – 27. Januar, Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Online-Vortrag von Dr. Katharina Stengel, Fritz Bauer Institut

Die Sinti und Roma, die die Verfolgung und den Massenmord der Nationalsozialisten überlebt hatten, kehrten 1945 auf der Suche nach noch lebenden Familienangehörigen in die Städte und Dörfer zurück, aus denen sie Jahre zuvor vertrieben oder abtransportiert worden waren. Sie waren zumeist mittellos, wohnungslos und gesundheitlich angeschlagen. Die Alliierten hatten sich zwar nie explizit zum Status der Sinti und Roma geäußert, erkannten sie aber faktisch als Verfolgte des nationalsozialistischen Staates an und kümmerten sich um ihre Versorgung und Einquartierung. In Berichten mancher Überlebender erscheint die unmittelbare Nachkriegszeit als ein vielversprechender, jedoch flüchtiger Moment. So berichtete etwa Sophie Wittich: »Aber dieses Glück, dieses Wohlbefinden von einem warmen Zimmer und einem Bett, dauerte nicht sehr lange. Denn die sind rasch entnazifiziert worden und kamen alle wieder zurück. Ja, der Bäcker war der gleiche, der Milchmann war auch der gleiche. Und wir Zigeuner waren natürlich auch die gleichen. Das Haus wurde abgerissen, unser ganzes Zeug wurde irgendwohin gebracht. Wieder hatten wir keine Rechte, standen wieder auf der Straße. Es gab keinen Ort für uns.«

Auch andere berichteten von der bald einsetzenden gewaltsamen Vertreibung der Überlebenden aus ihren ehemaligen Heimatorten und vom aggressiven Verhalten der Behörden und der Einwohner gegenüber den Rückkehrern. Die von den meisten jüdischen Überlebenden gewählte Option, Deutschland endgültig den Rücken zu kehren, gab es für die Sinti und Roma in der Regel nicht.

Ort
Die Veranstaltung wird online als ZOOM-Meeting angeboten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung unter Laura.Bruehl@hlz.hessen.de erforderlich.

Informationsmaterial
Informationsflyer

Datum und Uhrzeit
02. Februar 2021
17:00

Durchführung
Diese Veranstaltung wird von Referat I/1 durchgeführt.

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