Auschwitz. Mordstätte und deutsche “Musterstadt” – Eröffnungsvortrag von Frau Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Leiterin des Fritz Bauer Instituts

Eröffnung der Ausstellung des Fritz Bauer Instituts: Die I.G. Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz. Wirtschaft und Politik im Nationalsozialismus

Teil der Veranstaltungsreihe: “Das Problem Auschwitz beginnt nicht erst an den Toren von Auschwitz und Birkenau”

Der Chemiekonzern I.G. Farben ließ ab 1941 in unmittelbarer Nähe zu dem Konzentrationslager Auschwitz die größte chemische Fabrik im von Deutschland eroberten Osteuropa bauen. Sie sollte zugleich ein Baustein der „Germanisierung“ der Region um Auschwitz werden. Neben deutschen Fachkräften setzte das Unternehmen auf der riesigen Baustelle tausende von Häftlingen aus dem KZ Auschwitz, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus ganz Europa ein. Für die zunehmende Zahl von KZ-Häftlingen errichteten der Konzern und die SS, die eine intensive Zusammenarbeit miteinander verband, 1942 das firmeneigene KZ Buna-Monowitz. Tausende kamen durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu Tode oder wurden in den Gaskammern in Auschwitz-Birkenau ermordet, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren. Die Ausstellung zeichnet Entstehung, Betrieb und Auflösung des KZ Buna-Monowitz nach. Historische Fotografien dokumentieren die Perspektive von SS und I.G. Farben auf Baustelle und Lageralltag. Sie werden kontrastiert mit autobiographischen Texten von Überlebenden, darunter Primo Levi, Jean Améry und Elie Wiesel sowie den Aussagen von Überlebenden in den Nachkriegsprozessen. Informationen zu den Gerichtsverfahren in der Nachkriegszeit und den Bemühungen der Überlebenden um Entschädigung nach 1945 beschließen die Ausstellung.

Im Vortrag geht es um das Nebeneinander von Normalität und Massenmord. Die Stadt Auschwitz wurde im Zweiten Weltkrieg zu einer „Musterstadt” der deutschen Ostsiedlung. Schon bald nach dem Überfall auf Polen gehörte sie zum Deutschen Reich, und eine intensive, gewaltgeprägte sogenannte Germanisierungspolitik setzte ein. Tausende von Deutschen ließen sich zur selben Zeit dort nieder, als im Konzentrations- und Vernichtungslager der Massenmord an den europäischen Juden und anderen Verfolgtengruppen stattfand. Dass die Stadt Auschwitz für die nationalsozialistische Siedlungs- und Wirtschaftspolitik herausragende Bedeutung erhielt, war auf den Bau der IG Farben-Werke zurückzuführen. Das Fabrikprojekt, für das Tausende von Häftlingszwangsarbeitern sterben mussten, wurde Teil des riesigen KZ-Komplexes. In der „eingedeutschten” Stadt nahmen weit in die Zukunft gerichtete Stadtentwicklungsplanungen ihren Lauf.

Informationsmaterial
Programmflyer zur Veranstaltungsreihe

Regeln wegen der Corona-Pandemie
Aufgrund der Corona-Pandemie gelten folgende Regeln entsprechend dem Hygienekonzept des Hessischen Landesarchivs:
– Es können bis zur 30 Personen vor Ort an der Veranstaltung teilnehmen.
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– Es besteht Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedecken vor und nach der Veranstaltung, aber nicht auf dem Sitzplatz während der Veranstaltung.
– Zur Wahrung der Hygienevorschriften kann nach der Veranstaltung leider kein Stehempfang stattfinden.
Die Veranstalter behalten sich kurzfristige Änderungen oder Absagen vor.

Livestream
Um einem breiteren Publikum die virtuelle Teilnahme an den Veranstaltungen zu ermöglichen, bieten wir ab dem 24. September über den Youtube-Kanal des Hessischen Landesarchivs einen Livestream an. Den Link hierfür finden Sie rechtzeitig im Voraus auf folgender Website: https://landesarchiv.hessen.de/veranstaltungskalender

Datum und Uhrzeit
02. September 2020
19:00

Veranstaltungsort
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Durchführung
Diese Veranstaltung wird von dem Hessischen Landesarchiv, Abt. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt.

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