Kulturelles Leben

Die jüdischen Gemeinden in Hessen bieten ihren Mitgliedern Einrichtungen und Veranstaltungen, die gesellschaftliche, soziale und kulturelle Interessen aufgreifen. Kulturelle Veranstaltungen richten sich vor allem nach außen und bieten der gesamten Öffentlichkeit Informationen über das vergangene und heutige jüdische Leben.

Das Bild zeigt eine Menora, einen siebenarmigen Leuchter, eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.

Die Menora, auch als siebenarmiger Leuchter bekannt, ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums © Maik Dörfert, AdobeStock

Jedes Jahr stellen zum Beispiel die 1980 ins Leben gerufenen Jüdischen Kulturwochen das Leben in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, der größten jüdischen Gemeinde in Hessen, vor. Mit wechselnden Schwerpunkten geben sie ihren Besuchern Einblicke in die jüdische Religion, Lebensweisen der Vergangenheit und der modernen jüdischen Gesellschaft.

Bildung und Erziehung jüdischer Kinder

Der Bildung und Erziehung jüdischer Kinder widmen sich in Frankfurt zwei Kindergärten und die I. E. Lichtigfeld-Schule. In einem im Westend gelegenen Kindergarten werden zum Beispiel 102 Kinder betreut. Sie kommen aus russischstämmigen Familien, aus Familien israelischer oder amerikanischer Diplomaten und alteingesessenen Frankfurter Familien, die nach der Shoa die neue Gemeinde aufgebaut haben. Jüdische Religion und jüdische Traditionen sind eine wichtige Grundlage der Erziehung.

Im Schuljahr 2006/2007 nahm die 1966 neu gegründete I. E. Lichtigfeld-Schule im denkmalgeschützten Gebäude des Philanthropin, eine 1942 von den Nationalsozialisten geschlossene Schule der Gemeinde, ihren Unterrichtsbetrieb auf. Sie ist heute eine staatlich anerkannte Ganztagsschule, in der jüdische, aber auch nicht-jüdische Kinder, ab 2018 bis zum Abitur, unterrichtet werden. Darüber hinaus hat in Wiesbaden die Diltheyschule für jüdische und nicht-jüdische Schülerinnen und Schüler Hebräisch und Jüdische Religionslehre bis zum Abitur in den Stundenplan aufgenommen.

Bedeutende jüdische Bürger im 19. und 20. Jahrhundert

Das Gesicht der Stadt Frankfurt, in der heute ein reges jüdisches Alltags- und Kulturleben stattfindet, ist nicht zuletzt dem Engagement zahlreicher jüdischer Bürger im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu verdanken. So war Leopold Sonnemann (1831–1909), Bankier, Journalist, Verleger, Politiker und Mäzen, als Mitglied der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und des Finanzausschusses verantwortlich für die Entstehung des Hauptbahnhofs, des Palmengartens und Eisernen Stegs, der Alten Oper, der Senckenbergischen und Rothschild’schen Bibliothek, des Hotels „Frankfurter Hof“. Wichtige Dienste an der Stadt leisteten zudem die Familien Rothschild, Speyer, Oppenheimer, Wertheimer und Ladenburg. Der Industrielle Wilhelm Merton (1848–1916) und mit ihm viele Bürger jüdischer Herkunft spendeten Geld für die Gründung der Universität Frankfurt im Jahre 1914. Unter Ludwig Landmann, von 1924 bis 1933 Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, wurden bis 1932 etwa 12.000 Wohnungen vor allem für Arbeiter und Angestellte gebaut.

Die kleine Jüdische Gemeinde Bad Nauheim mit 261 Mitgliedern blickt heute auf die Erfolge jüdischer Ärzte zurück, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1933 zum internationalen Ansehen der Stadt als Kurort und Badestadt beitrugen.

Der in Frankfurt lebende Bankier Wilhelm Carl von Rothschild gründete in den 1880er Jahren eine „Kuranstalt für arme Israeliten“ in Bad Soden. An die jüdische Vergangenheit erinnern heute ein Gedenkstein für die „Kuranstalt für arme Israeliten“, Stolpersteine und der jüdische Friedhof.

Der Kaufmann Enoch Reiss, der sich durch großes soziales Engagement auszeichnete, war Mitinitiator der Stiftung Bethesda in der Kronberger Straße, die als Kureinrichtung für mittellose Kranke aller Konfessionen eröffnet wurde.

Persönlichkeiten wie die Ärzte Salomon Friedrich Stiebel, David Rothschild und Max Isserlin, langjähriger Leiter der Israelitischen Kuranstalt, haben Bad Sodens Ruf als Kurort gefestigt.

Auch in Kassel engagierten sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts viele jüdische Bürger, die als Bankiers, Ärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte, Lehrer und Hoteliers tätig waren, für die Stadt.

Die Familie Gotthelft betrieb ab 1841 eine Druckerei und gab ab 1853 die Tageszeitung „Gewerbliches Tageblatt und Anzeiger“, ab 1873 „Casseler Tageblatt“, heraus, die bis 1932 erschien. Die Stadt Gießen stellte 2018 mit der Sonderausstellung „Kunst und Leben. Gustav Bock und seine Kunststiftungen 1915 und 1917“ die Kunstsammlung des jüdischen Zigarrenfabrikanten Gustav Bock der Öffentlichkeit vor und erinnerte auf diese Weise an das weitgehend vergessene Schicksal der jüdischen Familie Bock, die in der Zeit des Nationalsozialismus großen Repressalien ausgesetzt war.

Weitere Fragen zu: Jüdisches Leben in Romanen, Erinnerungen und Autobiographie

Das Bild zeigt die Schriftstellerin Mirjam Pressler und den Schriftsteller Amos Oz

Mirjam Pressler und Amos Oz

  • Valentin Senger (1918-1997) schildert in seinem autobiographischen Roman „Kaiserhofstraße 12“ von 1978 das Überleben seiner Familie in der Hitlerzeit in Frankfurt. Stellen Sie das Buch vor.
  • Mirjam Pressler ist im Januar 2019 verstorben. Setzen Sie sich mit ihrem Leben auseinander und würdigen Sie ihr Werk.
  • Lesen Sie Mirjam Presslers Buch „Grüße und Küsse an alle“ über die Geschichte der Familie von Anne Frank und stellen Sie die Besonderheiten des Inhaltes heraus.
  • Beschäftigen Sie sich mit dem Leben und dem Werk der Schriftstellerin Stefanie Zweig (1932–2014).
  • In ihrem Roman „Nirgendwo in Deutschland“ stellt Stefanie Zweig das Schicksal der jüdischen Familie Redlich vor. Untersuchen Sie, mit welchen Schwierigkeiten die Familie zu kämpfen hatte und nehmen Sie Stellung.
  • Stellen Sie ein anderes Buch von Stefanie Zweig vor. Begründen Sie Ihre Auswahl und versuchen Sie, deutlich zu machen, was die Faszination ihrer Bücher ausmacht.
  • In Adriana Altaras‘ Roman „Die jüdische Souffleuse“ geht es um eine Spurensuche. Fassen Sie den Roman zusammen, stellen Sie die Protagonistin vor und machen Sie deutlich, warum dieses Buch lange nachhallt.

Fragen

  • Setzen Sie sich mit dem vielfältigen kulturellen Programm einer jüdischen Gemeinde in Hessen auseinander.
  • Erstellen Sie das Porträt des Rabbiners Isaak Emil Lichtigfeld, Namensgeber der I. E. Lichtigfeld-Schule, stellen Sie die Schule vor und setzen Sie sich mit der Geschichte ihrer Vorgängerin Philanthropin auseinander.
  • Das Jüdische Jugendzentrum Amichai in Frankfurt hat 2018 die Jewrovision gewonnen. Was ist die Jewrovision?
  • Welche Rolle spielen die Jugendzentren für die jungen Leute in den jüdischen Gemeinden?
  • Stellen Sie den jüdischen Turn- und Sportverein Makkabi e.V., einen der größten Sportvereine in Hessen, vor. Beschreiben Sie vor allem sein Selbstverständnis und die Zusammensetzung der aktiven Sportlerinnen und Sportler.
  • Kindergärten wollen die Erziehungs- und Bildungsarbeit von Eltern unterstützen. Untersuchen Sie den Alltag eines jüdischen Kindergartens, wie beispielsweise des Kindergartens der jüdischen Gemeinde in Offenbach.
  • Suchen Sie sich eine Frankfurter Persönlichkeit oder Familie heraus und porträtieren Sie diese.
  • Die Universität Frankfurt wurde vom Ersten Weltkrieg bis 1933 stark von jüdischen Bürgern und Wissenschaftlern geprägt. Stellen Sie dar, welche Interessen gerade Juden an der Gründung der Universität hatten.
  • Theodor Adorno und Max Horkheimer waren die führenden Köpfe der Frankfurter Schule, deren Zentrum das 1924 eröffnete Institut für Sozialforschung in Frankfurt war. Stellen Sie die Frankfurter Schule und einen der genannten Vertreter vor.
  • Jüdische Unternehmer und Ärzte prägten in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Ruf der Kurorte Bad Soden und Bad Nauheim. Berichten Sie am Beispiel einer der beiden Städte über diesen Zeitabschnitt und untersuchen Sie, wie den Ärzten heute gedacht wird.
  • In Hanau Wilhelmsbad finden Sie im Gebäudekomplex den sogenannten „Judenbau“. Recherchieren Sie, wieso es dieses Gebäude gibt und ordnen Sie es in die Gesamtkonzeption des ehemaligen Kurbades des 18./19. Jahrhunderts ein. Welche grundsätzlichen Aussagen lassen sich zur rechtlichen und gesellschaftlichen Stellung der Juden in der Frühen Neuzeit hiervon ableiten?
  • Recherchieren Sie über den Maler Moritz Daniel Oppenheim und verfassen Sie eine biographische Skizze über sein Leben und Werk.
  • 2015 wurde auf dem Freiheitsplatz in Hanau ein zweiteiliges Denkmal Oppenheims des Bildhauers Robert Schad errichtet. Finden Sie heraus, warum die Stadt den Auftrag für ein Denkmal gegeben hat, welche Lösung der Bildhauer gefunden hat und versuchen Sie eine eigene Einschätzung.
  • Die Filmemacherin Isabel Gathof drehte 2018 über Moritz Daniel Oppenheim den Dokumentarfilm „Maler der Rothschilds und Rothschild der Maler“. Stellen Sie anhand des Films Leben und Werk des Malers vor.
  • An den Politiker August Joseph Metz erinnerte bis 1940 ein Denkmal in Darmstadt. Porträtieren Sie den Politiker. Recherchieren Sie, was aus dem Denkmal geworden ist.
  • Dokumentieren Sie die Ausstellung „Kunst und Leben. Gustav Bock und seine Kunststiftungen 1915 und 1917“ in Gießen und setzen Sie sich mit dem Leben des Kunstsammlers auseinander. Gehen Sie der Frage nach, warum die Gustav Bock-Stiftung in Vergessenheit geriet. Recherchieren Sie vor Ort in Gießen und stellen Sie das Anliegen und die Geschichte der Gustav Bock-Stiftung vor.
  • „Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ‚Juden‘ und ‚politisch Untragbaren‘ aus den hessischen Theatern 1933 bis 1945“ heißt ein Sammelband von Hannes Heer aus dem Jahre 2011, der am Beispiel von sechs hessischen Theatern die Vertreibung jüdischer Künstler aus dem Kulturbereich und die Folgen daraus aufzeigt. Geben Sie einen Überblick über den Forschungsstand und versuchen Sie eine Bewertung dieses Sammelbandes.
  • Im Jüdischen Museum Frankfurt entsteht eine eigene Ausstellung zur Familie Senger. Recherchieren Sie die Konzeption der Ausstellung und stellen Sie sie vor.