Erinnern

Blick in das Becken der Groß-Mikwe in Friedberg

Mittelalterliche Groß-Mikwe in Friedberg

© Wikimedia Commons, Stadtarchiv Friedberg,Fotografie, zur Verfügung gestellt von K. Augustin

Von der jahrhundertelangen Geschichte jüdischen Lebens in hessischen Städten und Gemeinden vor dem Holocaust sind nur wenige Zeugnisse erhalten geblieben. Nahezu alle der 220 Synagogen brannten während der Zerstörung jüdischer Einrichtungen vom 7. bis zum 9. November 1938 nieder oder wurden verwüstet und geplündert.

Zeugnisse der Vergangenheit

Zu den wenigen Zeugnissen der Vergangenheit zählen zum Beispiel die originalgetreu restaurierte Westend-Synagoge in Frankfurt; die bereits 1945 wieder eingeweihte und bis 2013 mehrfach renovierte Synagoge in Bad Nauheim; die Synagoge in Michelstadt, seit 1979 ein Museum unter dem Namen I. E. Lichtigfeld und ab 2005 wieder als Gotteshaus genutzt.

Synagogen ehemaliger kleinerer jüdischer Gemeinden, die nicht zerstört wurden, stehen heute als historische Gebäude unter Denkmalschutz, werden gewerblich genutzt oder sind Gedenkstätten, wie zum Beispiel die ehemalige Synagoge in Roth im Landkreis Marburg-Biedenkopf, die ein Lernort für Schülergruppen, Konfirmandengruppen und Erwachsene wie auch eine Stätte kultureller Begegnungen ist. In Friedberg ist eine mittelalterliche Groß-Mikwe erhalten geblieben. Jüdische Friedhöfe sind zugleich Zeugnisse des vergangenen jüdischen Lebens und Orte, die die Erinnerung daran wachhalten.

Blick ins Museum Judengasse in Frankfurt mit den Ruinen des ersten jüdischen Ghettos in Europa

Blick ins Museum Judengasse in Frankfurt
© Norbert Miguletz (Frankfurt), Wikimedia Commons

Von der Fortführung und dem Neubeginn des jüdischen Lebens in Hessen erzählen neue Synagogen, wie zum Beispiel die Synagoge in Offenbach, die 1956 als erste Synagoge gegenüber der alten Synagoge nach den Plänen Hermann Zvi Guttmanns errichtet und eingeweiht wurde und ein Symbol eines Neubeginns sein soll.

In Marburg wurde vom 25. bis zum 27. November 2005 eine neue Synagoge offiziell eingeweiht, in Limburg 2009 eine Kirche zur Synagoge umgewidmet, in Bad Homburg 2018 eine neue Synagoge eingeweiht.

Ausstellungen des Jüdischen Museums in Frankfurt, das am 9. November 1988, dem 50. Jahrestag des Novemberpogroms, vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet wurde, erinnern heute an die Geschichte der Frankfurter Juden, ebenso das Museum Judengasse, seit 1992 eine Zweigstelle des Jüdischen Museums, die Gedenkstätte Neuer Börneplatz und der Jüdische Friedhof an der Battonnstraße.

Man sieht das Modell der ehemaligen Synagoge in Marburg

Modell der ehemaligen Synagoge in Marburg
© Heinrich Stürzl, Wikimedia Commons

Erinnerungskultur in Hessen

In vielen Städten und Gemeinden Hessens halten heute Stolpersteine, Mahnmale, Gedenkstätten die Erinnerung an das jüdische Leben auf vielfältige Weise wach, die noch wenigen Holocaustüberlebenden setzen mit ihren Berichten und Erzählungen ein besonderes Zeichen gegen das Vergessen.

Einen wichtigen Beitrag zur historischen Aufarbeitung der NS-Gewaltherrschaft in Hessen leistet die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen (JuKo). Sie wurde unter dem Eindruck des Frankfurter Auschwitz-Prozesses auf Veranlassung der Hessischen Landesregierung 1963 gegründet, um die Geschichte der Juden in Hessen möglichst umfassend aufzuarbeiten und wissenschaftlich zu dokumentieren.

Zwischen Hessen und Israel bestehen heute zahlreiche Partnerschaften auf kommunaler Ebene zwischen Städten, so zwischen Frankfurt und Tel Aviv, Wiesbaden und Kfar Saba, zwischen Hochschulen und Schulen, ergänzt durch private und kirchliche Initiativen und Initiativen der Wirtschaft. Einen wichtigen Beitrag zur Verständigung leisten die deutschen Freiwilligendienste in Israel. Junge Leute aus Hessen gehen nach Israel, um mit ihrer Arbeit der Völkerverständigung und dem Frieden zu dienen.

Fritz Bauer Institut

Das Fritz Bauer Institut wurde am 11. Januar 1995 als Stiftung bürgerlichen Rechts ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main betreibt das Institut ein Pädagogisches Zentrum, das sich die gesellschaftliche und pädagogische Vermittlung der Geschichte und Wirkung des Holocaust und der jüdischen Geschichte und Gegenwart zur Aufgabe gemacht hat.

Das Institut trägt den Namen Fritz Bauers (1903-1968), der sich als Jurist der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechern verschrieben hatte. Sein Name ist verbunden mit der Rehabilitierung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, der Auslieferung und Verurteilung Adolf Eichmanns in Israel und dem Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965.

Fragen

  • Gehen Sie auf Spurensuche und beschreiben Sie die Zeugnisse jüdischen Lebens in Ihrer Stadt oder Gemeinde. www.jewish-places.de
  • Stellen Sie eine Initiative vor, der es gelungen ist, hessische Synagogen als Gedenkorte zu bewahren (z. B. in Lich oder Roth bei Marburg) und informieren Sie über ihre Arbeit.
  • Besuchen Sie das Jüdische Museum in Frankfurt und schildern Sie Ihre Eindrücke.
  • Seit über vierzig Jahren berichtet die Holocaustüberlebende Trude Simonsohn als Zeitzeugin an Schulen und Institutionen über ihre Erlebnisse. Beschäftigen Sie sich mit ihrem Leben.
  • In zwei Solostücken hat sich die Schauspielerin Lilli Schwethelm mit den Gedichten und dem Leben der jüdischen Lyrikerinnen Gertrud Kolmar (1894-1943), in Auschwitz ermordet, und Hilda Stern (1924-1997), Holocaustüberlebende, auseinandergesetzt. Wie schafft es die Künstlerin, einen Zugang zum Werk dieser Lyrikerinnen zu vermitteln? Wählen Sie eine Lyrikerin aus.
  • Die ungebrochen vitale Städtepartnerschaft zwischen Wiesbaden und Kfar Saba besteht seit 1981. Beschreiben Sie die Entwicklung und stellen Sie ihre Besonderheit heraus. Geben Sie eine Einschätzung, ob und in welcher Form diese Städtepartnerschaft der Völkerverständigung dient.
  • Stellen Sie eine Städtepartnerschaft Ihrer Wahl vor.
  • Das Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch (conAct) fördert Jugendkontakte zwischen Deutschland und Israel. Wann ist es entstanden und wie sehen seine Ziele aus? www.likrat.de
  • Erstellen Sie ein Porträt der jüdischen Frauenrechtlerin Berta Pappenheim aus Neu-Isenburg.
  • Erstellen Sie ein Porträt der Politikerin Tony Sender aus Wiesbaden-Biebrich.
  • Setzen Sie sich mit der Arbeit des Fritz Bauer Instituts auseinander und gehen Sie der Frage nach, wie sich die Gesellschaft mit Fritz Bauer auseinandersetzt.