25. Juli 1971: 50 Jahre Freischwimmer – Peter Döbler schwimmt für seine Freiheit und flüchtet aus der DDR

Vor 50 Jahren, am 25. Juli 1971, schwamm der 1940 in Rostock geborene Peter Döbler für seine Freiheit rund 45 Kilometer von Kühlungsborn nach Fehmarn. Die Strecke, die Döbler zurückgelegt hatte, ist die längste, die je ein DDR-Flüchtling schwimmend überwand. 1974 half er seinem Bekannten Erhard Schelter ebenfalls über die Ostsee in die Bundesrepublik Deutschland zu fliehen.

Peter Döbler (Mitte) wird von in Kiel lebenden Landsleuten begrüßt. (August 1971)
Foto: Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 DE https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en, via Wikimedia Commons
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Peter Döbler hatte keine Aussicht auf einen Studienplatz in der DDR. Erst durch den Tod des Vaters erhielt er die Möglichkeit, Medizin zu studieren. Nach Abschluss seines Studiums konnte er als Arzt arbeiten. Allerdings hatte sich seine Haltung gegenüber dem SED-Regime im Laufe der Zeit geändert und er äußerte sich zunehmend kritisch. Das hatte zur Folge, dass Döbler öfters Notdienste ableisten musste und seine Facharztausbildung behindert wurde. Außerdem bekam er trotz Frau und Kind keine Wohnung zugewiesen. Vor diesem Hintergrund entschied er sich, aus der DDR zu fliehen. Für seine geplante Flucht über die Ostsee von Kühlungsborn nach Fehmarn bereitete er sich zwei Jahre intensiv vor. Oft schwamm er in der Ostsee und in der Warnow viele Stunden, um sich die nötige Kondition anzutrainieren.

Den Kontakt zu seiner Mutter schränkte er in der Zeit vor dem Fluchttermin systematisch ein, um sie nicht als Mitwisserin den zu erwartenden Repressalien der Staatssicherheit auszusetzen. Vor seiner Flucht schrieb er ihr, dass sie ihn wegen Republikflucht anzeigen sollte. Damit wollte er seine Mutter bei den späteren Stasiverhören schützen und verhindern, dass sie als Mitwisserin bestraft werden konnte. Kurz vor seiner Flucht hatte er sich zudem von seiner Frau scheiden lassen.

Döbler orientierte sich bei seiner Flucht am 25. Juli während seiner rund 45 Kilometer langen Schwimmstrecke am Sternenhimmel und mit einem Kompass. Er trug einen Taucheranzug, Flossen für Hände und Füße, und war mit einem aufblasbaren Schwimmring, Schokolade, Schmerztabletten und Amphetaminen ausgerüstet. In seinem Gürtel führte er seine Zeugnisse mit, um in der Bundesrepublik Deutschland als Arzt arbeiten zu können. Nach etwa einem Tag wurde er von einem Sportboot vor Fehmarn aus der Ostsee geborgen. Zunächst zog er zu seiner Cousine. Nach vier Wochen hatte er bereits eine Arbeitsstelle. Später arbeitete er als Urologe in seiner eigenen Praxis in Hamburg. Sein Privat- und Berufsleben sortierte er ab Mitte der 90er Jahre nochmals neu, zog auf die Kapverden, lebte vom Fischfang und im Winter kehrte er zu Notdiensten nach Deutschland zurück. Seit 2007 lebt er wieder in Hamburg, verheiratet mit einer Kapverdin und einem gemeinsamen Sohn.

Im September 2021 erscheint der Roman “Kurs Nordwest: Wie der Arzt Peter Döbler 45 km in die Freiheit schwamm” von Rob Lampe, der auf Döblers Leben basiert.

„Ein Marathon im Wasser für die Freiheit ist eine Aktion, die heute unsere Vorstellungskraft sprengt. Es ist ein aberwitziges und lebensgefährliches Unterfangen, das einzig die Erlangung der persönlichen Freiheit zum Ziel hatte. Aber dieser Freischwimmer in der wahrsten Bedeutung des Wortes steht stellvertretend für den Unrechtsstaat der SED-Diktatur, der seine Bürgerinnen und Bürger bis in die private Existenz hinein gängelte und beschränkte,“ so HLZ-Direktor Dr. Alexander Jehn.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung sind folgende Publikationen zum Thema lieferbar:

Sehnsuchtsort Gießen?

Flucht – eine Menschheitsgeschichte (Andreas Kossert)

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