11. März 2021: 10. Jahrestag Reaktorunglück von Fukushima

Umdenken in der deutschen Energiepolitik

Lange war die Debatte über das Für und Wider der Nutzung der Kernenergie ein fester Bestandteil der deutschen Innenpolitik. Einerseits war der Atomstrom vergleichsweise billig, andererseits waren Sicherheitsfragen und auch die Problematik der Endlagerung sogenannten Atommülls Argumente gegen die Nutzung der Kernenergie. Das Seebeben von Tohoku und die dadurch ausgelöste Tsunami-Welle, die das Reaktorunglück von Fukushima 2011 auslöste, führte 25 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl erneut die Gefahren der Atomkraft vor Augen. Zahlreiche Länder stellten daraufhin ihre Atompolitik auf den Prüfstand. Deutschland korrigierte seinen Kurs und stieg, wie z.B. auch Belgien, Italien oder Schweiz, aus der Atomkraft aus. Andere Länder, auch in direkter Nachbarschaft Deutschlands, setzen weiterhin auf die Energiegewinnung aus der Kernenergie.

Digital Globe, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Es ist der 11. März 2011, 14:46 Uhr Ortszeit: Ein großes Erdbeben vor der Küste Japans (Tohoku-Erdbeben, 370 km nordöstlich von Tokio) mit einer Stärke von 9,1 auf der Richterskala löst riesige Tsunami-Flutwellen aus. Eine Fläche von über 500 km² der japanischen Küste wird überflutet. Über 22.000 Menschen finden den Tod. Der Tsunami überschwemmt mit einer 14 Meter hohen Flutwelle auch das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Es kommt zum Super-GAU. In Block 1 bis 3 kommt es zu Kernschmelzen. Große Mengen an radioaktivem Material werden freigesetzt und kontaminieren Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel in der unmittelbaren Umgebung. Vier der insgesamt sechs Reaktorblöcke des Kernkraftwerks werden zerstört. Mehr als 150.000 Einwohner müssen das Gebiet verlassen. Im Dezember 2013 werden schließlich alle sechs Reaktoren dauerhaft abgeschaltet. Die Entsorgungsarbeiten dauern voraussichtlich bis 2050 an.

In Deutschland führte das Ereignis zu einer Kehrtwende in der Atompolitik. Bereits am Tag der Katastrophe richtete die deutsche Regierung einen Krisenstab ein, um die Bevölkerung über die Ereignisse in Japan zu informieren und beispielsweise die Einfuhr kontaminierter Waren zu verhindern. Drei Tage später, am 14. März, setzte die Bundesregierung die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke, die erst im Oktober 2010 beschlossen worden war, aus. Außerdem gab die Bundeskanzlerin bekannt, dass alle 17 Atomkraftwerke in Deutschland für drei Monate einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden sollten.

fotografiona, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das Ereignis von Fukushima führte auch in der Bevölkerung zu einer noch deutlicheren Abkehr von der Atompolitik. Es kam zu zahlreichen Demonstrationen und Protesten gegen Atomkraftwerke. Der Anteil der Kernkraftgegner stieg auf 72 Prozent. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 27. März 2011 erreichte Bündnis 90 / die GRÜNEN 24,2 Prozent (ein Zuwachs von über 12 Prozent im Vergleich zu 2006) und lösten die schwarz-gelbe Koalition durch eine Koalition mit der SPD unter Führung des neuen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (GRÜNE) ab.

Die von der Bundesregierung beauftragte Ethikkommission kam am 28. Mai 2011 in ihrem Abschlussbericht zu der Empfehlung, aus der Atomenergie auszusteigen. Am 30. Juni 2011 beschlossen Bundestag und Bundesrat mit deutlicher Mehrheit, dass die sieben ältesten deutschen Kernkraftwerke und das Kernkraftwerk Krümmel sofort und dass alle übrigen deutschen Kernkraftwerke bis 2022 stufenweise stillgelegt werden sollten. Der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung in Deutschland lag 2020 allerdings noch bei 12,5 Prozent.

Bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung kann folgende Publikation zum Thema bestellt werden:

Energie und Umwelt (Informationen zur politische Bildung Nr. 319)

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